Im Gegensatz zu den deutschen Sozialdemokraten halten sich die europäischen Sozialdemokraten im Europaparlament die Möglichkeit offen, Ursula von der Leyen (CDU) am 16. Juli 2019 zur EU-Kommissions-Präsidentin zu wählen. Die spanische Fraktionsvorsitzende Iratxe Garcia: „Wir werden die Person aber nicht beurteilen, bevor wir ihr zugehört haben.“ „Wir werden dann sehen, wie viel ihr daran liegt, die Werte der Europäischen Union zu bewahren und den Wandlungsprozess anzuführen, den die Europäische Union braucht.“ Für die SPD hatten Jens Geier, Malu Dreyer, Katharina Barley und – der hier wieder unvermeidliche – Ralf Stegner kategorisch erklärt, dass die SPD-Abgeordneten Ursula von der Leyen auf keinen Fall wählen würden.
Die SPD stellt mit 16 Abgeordneten allerdings nur noch die drittgrößte Gruppe in der Fraktion. Nach den Italienern und Spaniern. Die haben mit David-Maria Sassoli und Josep Borrell (wie gezeigt: Nr. 2459) allerdings selbst zwei aussichtsreiche Kandidaten für Spitzenämter im Rennen. Möglicherweise stimmen bei der Wahl also nur die österreichischen und die deutschen Sozialdemokraten gegen von der Leyen. Diese braucht 376 Stimmen. Mit 362 bis 382 kann sie rechnen. Es könnten einige Grüne umschwenken. Außerdem könnten die 28 Abgeordneten der PIS aus Polen für von der Leyen stimmen. Als Verteidingungsministerin hat sie viele Sympathisanten in den ostmitteleuropäischen Staaten, die sich durch die NATO vor Russland geschützt fühlen.
In der SPD eine Stimme der Vernunft ist Gesine Schwan, die sich für den Parteivorsitz bewirbt: „Wie die Personalie von der Leyen zustandegekommen ist, hat negative Vorurteile gegen Europa und gegen demokratische Politik bestärkt. Vielleicht kann man das heilen, indem die Zustimmung im EU-Parlament von Zusagen abhängig gemacht wird, die für die Zukunft das Prinzip Spitzenkandidatur klären und absichern.“ In einem Gespräch mit Frank Pergande (FAS 7.7.19) erklärt Gesine Schwan zudem, dass nicht der JuSo-Vorsitzende Kevin Kühnert ihr Partner für die Team-Bewerbung zum SPD-Parteivorsitz ist.
Sollte Ursula von der Leyen am 16. Juli in Straßburg durchfallen, weil die SPD gegen sie gestimmt hat, wird das die CDU/CSU-SPD-Koalition kaum überstehen (T.G./F.P., FAS 7.7.19).