Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) muss im Herbst Landtagswahlen bestehen. Bei der Europawahl war in Sachsen die AfD, die russlandfreundlich agiert, die stärkste Partei. Vor dem Besuch eines internationalen Wirtschaftsforums in St. Petersburg (Russland) hatte Kretschmer den Abbau der Wirtschaftssanktionen gegen Russland verlangt. Sie seien für Sachsen und Ostdeutschland ein großes Problem. Zahlreiche Betriebe in Ostdeutschland hatten ihre Kontakte zu einstigen Partnern aus der Sowjetunion reaktiviert. Die EU hatte die Sanktionen verhängt, weil Russland die Bestimmungen des Minsker Friedensabkommens von 2015 nicht erfüllt hatte. Die Verlängerung der Sanktionen erfolgte bisher halbjährlich.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) kritisierte Kretschmer und erklärte, „dass die Sanktionen so lange in Kraft bleiben sollten, wie die Gründe für ihr Zustandekommen fortbestehen“. Annegret Kramp-Karrenbauer sagte: „Die Wirtschaftssanktionen sind die Reaktion auf das völkerrechtswidrige Verhalten der russischen Regierung auf der Krim und in der Ostukraine.“ Der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger bemerkte: „Herr Ministerpräsident, haben Sie einen außenpolitischen Berater? Falls ja, sofort feuern.“ Michael Kretschmer verteidigte sich damit, dass er sagte: Zwar brauche es „die Befriedung dieses Ukraine-Konfliktes, in dem jeden Tag Menschen sterben. Aber wir wollen auch, dass die Sanktionen so schnell wie möglich enden.“
Die CDU ist also uneins über ihren Kurs gegenüber Russland und der Ukraine.
Ähnlich wie Kretschmer äußerte sich der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): „Deutsche Alleingänge bringen nichts. Aber wir können Türöffner sein.“ Zustimmung aus Sachsen erhielt Ministerpräsident Kretschmer von dem AfD-Bundestagsabgeordneten Tino Chrupalla (lock, FAZ 8.6.19; SZ 11.6.19).