Der weltbekannte US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen (60) („Schweres Beben“ 1992, „Korrekturen“ 2001, „Freiheit“ 2010) ist als prominenter „Birdwatcher“ fast selbstverständlich Ökologe. Trotzdem kriegt er immer wieder Ärger mit Fundamentalisten. So als er einen Essay im „New Yorker“ publiziert hatte, in dem er zwischen
Klimaschutz und Umweltschutz
unterschied. Klimaschutz sei eschatologisch (Eschatologie = prophetische Lehre vom Ende aller Dinge), man glaube an einen jüngsten Tag, den man hinauszuzögern hoffe. Naturschutz aber sei franziskanisch: Man schütze etwas, das man liebt, etwas in unmittelbarer Nähe, und sehe unmittelbar das Ergebnis.
Selbst Umweltschutzorganisationen hätten sich heute auf die eschatologische Orthodoxie des Klimaschutzes verlegt, weil das in den liberalen Medien größere Aufmerksamkeit garantiere. Tatsächlich sei die Unterscheidung zwischen Klimaschutz und Umweltschutz fundamental. Sie bezeichne den Unterschied zwischen
puritanischem und liberalem Denken.
Die US-Vogelschutzbehörde, der Franzen nicht mehr angehört, hatte behauptet, dass der Klimawandel die größte Bedrohung für die Artenvielfalt unter Vögeln sei. In Wahrheit aber, so Franzen, seien die größten Gefahren für Vögel der Verlust ihres Habitats und frei herumlaufende Katzen. Welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Vogelbestand habe, sei völlig unklar. Kein einziger Vogeltod könne unmittelbar auf menschlichen CO 2-Ausstoß zurückgeführt werden (SZ 18./19.5.19).
(Jonathan Franzen: Das Ende vom Ende der Welt. Essays. Hamburg (Rowohlt) 2019, 251 Seiten, 25 Euro)