Bereits im März haben sich Bund, Länder und Gemeinden dazu verpflichtet, die deutsche Kolonialvergangenheit aufzuarbeiten. Auf Anregung von Emmanuel Macron 2017. Ihm hatten die
Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy
und der Ökonom Felwine Sarr
eine Expertise geschrieben, welche die Restitution der während der Kolonialzeit geraubten Kunst empfahl. Auch niederländische Museen haben sich verpflichtet, Raubkunst zurückzugeben.
Das Papier, auf das sich die deutschen Behörden geeinigt haben, ist neun Seiten lang und ziemlich ernüchternd. Fast wörtlich spricht es Macrons Schlüsselsatz nach: „Wir wollen … die Voraussetzungen für … Rückführungen von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten (schaffen), deren Aneignung in rechtlich und/oder ethisch heute nicht mehr vertretbarer Weise erfolgte.“
Die „generelle Bereitschaft zur Rückführung von Sammlungsgut“ sei vorhanden. Es „entspreche einer ethisch-moralischen Verpflichtung“, geraubte Kulturgüter zu identifizieren und deren Restitution „zu ermöglichen „. Entsprechende Ersuchen seien „zeitnah zu bearbeiten“. Dafür fehlten allerdings bisher noch gültige Kriterien. Viele Vorgänge bedürften noch „einer Konkretisierung“. Dazu sollten Experten zu Rate gezogen und mit den Herkunftsländern zusammengearbeitet werden.
Für die deutschen Museen wird sich einiges ändern. Sie müssen ihre Bestände inventarisieren und im Netz einsehbar machen. Dazu muss Provenienzforschung betrieben werden. Die deutschen Behörden konnten sich nicht auf die Feststellung einigen, Deutschlands Kolonialunternehmen als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ zu deklarieren. Dagegen hatte das Auswärtige Amt protestiert, das Reparationsforderungen fürchtet. U.A. von den Herero und Nama in Südwestafrika. Sie klagen in New York gegen die Bundesrepublik Deutschland. Einigen Behörden ging es darum, den Eindruck zu vermeiden, das koloniale Unrecht werde gleichrangig mit dem Holocaust behandelt. Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus werde „nicht zu einer Reduzierung der Bemühungen und Maßnahmen zur Aufarbeitung des NS-Unrechts führen. Der Holocaust ist präzedenzlos und unvergleichbar.“ (Jörg Häntzschel, SZ 15.3.19)