Bénédicte Savoy ist Kunsthistorikerin. Sie forscht und lehrt an der TU Berlin und am Collège de France. Gemeinsam mit Felwine Sarr hat sie Präsident Macron umfassend wissenschaftlich berichtet über die Restitution afrikanischer Kulturgüter. Seither hat sich der Streit über die Restitution verschärft. Savoy berichtet in der SZ (4.3.19) darüber, dass es von 1978 bis 1982 schon eine Restitutions-Debatte gegeben hat, die aber im Sande verlief.
1. 1978 bis 1982 wurde schon über die Restitution kolonialer Raubkunst gestritten.
2. Pierre Quoniam, der Generalinspektor der staatlichen Museen in Frankreich, der 1972 bis 1978 Direktor des Louvre gewesen war, plädierte für eine geordnete Rückgabe.
3. Der damalige Generaldirektor der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Stephan Waetzoldt, meinte dagegen, es sei „unverantwortlich, dem Nationalismus der Entwicklungsländer nachzugeben“.
4. 1982 sprach sich die Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, Hildegard Hamm-Brücher (FDP), für „Großzügigkeit bei der Rückgabe von Kulturgütern“ aus.
5. Anlässlich seines hundertjährigen Bestehens legte das Museum für Völkerkunde in Berlin 1973 eine Geschichte seiner Bestände vor. 30.000 afrikanische Artefakte waren im Zweiten Weltrkrieg verloren gegangen.
6. Am 1. Oktober 1982, anlässlich des Misstrauensvotums gegen Helmut Schmidt (SPD), hielt Hildegard Hamm-Brücher im Bundestag eine Rede, in der vom Vertrauensverlust der Politik die Rede war. Das war der Eintritt in unsere Gegenwart.
7. Der hochgelobte französische Kulturminister Jack Lang sah sich nur zu gewundenen Ausreden in der Restitutionsfrage in der Lage.
8. Anscheinend hat es eine starke Lobby- und Verhinderungsarbeit gegen die Restitution gegeben, die sich insgeheim vollzog.
9. Selbst Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, sagte noch 2017: „Die Provenienz völkerkundlicher Bestände ist ein relativ neues Thema.“
10. Die Wucht, mit der das Thema Restitution viele europäische Gesellschaften erschüttert, ist die Wucht eines Bumerangs bei der Rückkehr an seinen Ursprungsort.
Nachbemerkung W.S.: Es gibt keine tragfähigen Argumente gegen die Restitution.