2297: Rechtspopulistischer Kampf gegen Theater

Die Berliner Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) unterstützt seit 18 Jahren Schulen und Kunstinstitutionen. In letzter Zeit widmet sie sich zunehmend Theatern, die den Angriffen von Rechtspopulisten ausgesetzt sind. Etwa bei Störungen von Aufführungen. Die MBR hat die Broschüre „Alles nur Theater? Zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts“ herausgegeben. Solche Störungen hat es schon gegeben beim Deutschen Theater Berlin, beim Wiener Burgtheater und beim Maxim Gorki Theater. Zum Arsenal der Störungen gehören Sachbeschädigungen, Provokationen, Hassmails, Strafanzeigen, Bombendrohungen, Einschüchterungsversuche bis hin zu Morddrohungen gegen Regisseure und Intendanten. Je mehr parlamentarischen Einfluss die AfD gewinnt, um so mehr Forderungen nach Kürzungen öffentlicher Leistungen für Theater gibt es.

Für die SZ (22.2.19) hat Peter Laudenbach interviewt den Intendanten des Deutschen Theaters Berlin

Ulrich Khuon

und die MBR-Geschäftsführerin

Bianca Klose.

SZ: Was versprechen sich Rechtspopulisten von einem Kulturkampf und Angriffen auf Kulturinstitutionen?

Khuon: Theater, Museen und andere Kultureinrichtunegn sind Orte, an denen diese Gesellschaft über ihr Selbstverständnis, ihre Werte nachdenkt. Sie anzugreifen, bedeutet eigentlich, die offene, liberale Gesellschaft anzugreifen.

Klose: Theater passen wunderbar ins rechte Feindbild der „liberalen Eliten“. Marc Jongen und andere Vertreter des rechtspopulistischen Spektrums wollen die gesellschaftlichen Folgen von

1968

am liebsten rückgängig machen. Theater sind ein Symbol für alles, was diese Leute an einer diversen, demokratischen Gesellschaft verachten. Sie sagen ganz offen, dass es ihnen um die kulturelle Hegemonie geht. In ihren Augen hat Kunst der nationalen Sinnstiftung, der völkischen Selbstfeier zu dienen. Theater ist gleichzeitig ein Feindbild und ein Schauplatz dieser Kämpfe um kulturelle Hegemonie.

SZ: Aber wenn in Theaterinszenierungen wie Volker Löschs „Das blaue Wunder“ in Dresden Pegida-Sympathisanten von der Bühne herab beschimpft werden, bewegt sich das Theater genau so in Feindbildern und Wir-gegen-die-Mustern wie Pegida.

Khuon: Das ist ja nicht alles, was das Schauspiel Dresden zeigt. Der Spielplan ist vielfältig, das ästhetische Spektrum ist breit gefächert. Jeder Regisseur hat seine eigenen Mittel. Manchmal ist der grobe Keil auf den groben Klotz vielleicht genau so richtig und wirkungsvoller als endlose Differenzierungen. …

Wenn die AfD nach den kommenden Landtags- und Kommunalwahlen bei entsprechenden Mehrheiten in Regierungsverantwortung kommen sollte, werden sie genau so handeln, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. So funktioniert Zensur in Ungarn, in Polen, in Russland – man streicht unliebsamen Künstlern und Theatern das Geld. Im Dresdener Stadtrat haben CDU und FDP vor kurzem gemeinsam mit der AfD gegen die Erhöhung von Zuwendungen für die Freie Szene gestimmt, sie hatten bei dieser Abstimmung eine Mehrheit. Das ist für die Dresdener Kultur und die betroffenen Künstler ein Riesenproblem. … Sie (die Rechtspopulisten, W.S.) wollen ein völkisch nationales Theater. Dafür kämpfen sie. Im Kern geht es für uns um nichts weniger als um die Verteidigung der

Kunstfreiheit.

 

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