Götz Aly (geb. 1947) hat fast seine gesamte historiographische Arbeit mit all ihren Erkenntnissen und Überraschungen gegen die etablierte Geschichtswissenschaft, insbesondere gegen die „Strukturgeschichte“, durchgesetzt. Wir verdanken ihm viel. Nun hat er – wohlverdient – den Geschwister-Scholl-Preis bekommen (Götz Aly, SZ 20.11.18).
Im Kern lautet seine Erkenntnis über den Nationalsozialismus, dass er auf einer Mischung aus gemeinsamem Profit und gemeinsam zu verantwortenden Verbrechen der NS-Führung und der Bevölkerung beruhte. Die Deutschen haben den Nazis viel mehr zugestimmt, als es irgendwo anders als bei Götz Aly belegt ist. Deswegen haben sie in dieser Hinsicht keine Ausreden (Antje Weber, SZ 21.11.18).
Aly hat in seinem Buch über die Achtundsechziger (68er), ich (W.S.) zähle mich selbst dazu,
Unser Kampf 1968 – ein irritierter Blick zurück. Frankfurt am Main 2008.
zum Entsetzen vieler gezeigt, dass es mehr Gemeinsamkeiten zwischen den Nazis (den Eltern) und den 68ern (ihren Kindern) gegeben hat, als für viele je vorstellbar war:
den antibürgerlichen Impetus, die Gewaltbereitschaft, den Antiamerikanismus, den latenten Antisemitismus, das Ausblenden von Kritik an anderen Despoten, u.a. Die 68er waren nicht die Lösung des Totalitarismus-Problems, sondern ein Teil davon. Der Aufbau der Zivilgesellschaft habe in der alten Bundesrepublik trotz der vielen alten Nazis viel früher begonnen als 1968.
Ich nenne Ihnen hier noch vier weitere relevante Bücher von Götz Aly:
– Warum die Deutschen? Warum die Juden? Frankfurt am Main 2011,
– Die Belasteten. „Euthanasie“ 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte. Frankurt am Main 2013,
– Volk ohne Mitte. Die Deutschen zwischen Freiheitsangst und Kollektivismus. Frankfurt am Main 2015,
– Europa gegen die Juden. 1890-1945. Frankfurt am Main 2017.