Bauern, die umstrittene Pestizide wie Glyphosat weiter nutzen wollen, sollen künftig mehr für den Naturschutz tun. Das will das Umweltbundesamt, das dem Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz untersteht, erreichen. So müsste jeder Landwirt, der ab 2020 noch mit Glyphsat arbeitet, zum Ausgleich andere Teile seiner Flächen ganz ohne Pestizide bearbeiten. „Wir müssen die Ausgleichsflächen ausweiten“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Nach 2023 müsse endgültig Schluss sein mit Glyphosat.
So sollen die Folgen der Pestizide zumindestens gelindert werden. Sie gelten als eine Ursache des Insektensterbens. Mit dem „Unkraut“ vernichten sie häufig auch Lebensräume für Tiere. Schon in der alten großen Koalition herrschte ein erbitterter Streit über die erneute Zulassung von Glyphosat in der EU. Der damalige Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sorgte damals mit einem Alleingang für eine Mehrheit in Brüssel.
Für die Wiederzulassung von Glypgosat ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zuständig, das dem Landwirtschaftsministerium unter Julia Klöckner (CDU) untersteht. Für diese Zulassung braucht das BVL das Einvernehmen des Umweltbundesamtes, das Svenja Schulze (SPD) untersteht. Ministerin Klöckner zeigt sich reserviert. Das Thema könnte die Koalition erneut spalten.
Der Bayer-Konzern, der Glyphosat produziert (übernommen von Monsanto), kritisiert, die Debatte sei „von politischen Interessen statt von fundierten wissenschaftlichgen Erkenntnissen geprägt“. Glyphosat sichere Ernten. Insofern kann es über die Interessenlagen, die bei dem Thema bestehen, keinen Zweifel geben (Michael Bauchmüller/Markus Balser, SZ 7.11.18).