Markus Breitenecker ist Geschäftsführer des Privatsenders Pro Sieben Sat 1 in Österreich. Gemeinsam mit seiner Journalistenkollegin Corinna Milborn hat er ein Buch geschrieben, wie Europa sich das Netz von Facebook und Google zurückerobern kann:
Corinna Milborn/Markus Breitenecker: Change the Game. Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern. Brandstätter Verlag 2018, 25 Euro.
Darin werden erstaunliche und erfreuliche Vorschläge gemacht. Livia Gerster hat Breitenecker für die FAS (28.10.18) interviewt. Ich bringe hier nur Auszüge aus Breiteneckers Aussagen:
„Aber mittlerweile haben die Unternehmen aus Silicon Valley solche Macht, dass man sie nicht mehr kontrollieren kann. Sie sind De-facto-Monopolisten: Facebook als soziales Medium, Amazon als Online-Händler, Youtube als Video-Dienstleister und Google als Suchmaschine. Es braucht aber Vielfalt und Wettbewerb. Europa sollte sich nicht den amerikanischen Konzernen unterwerfen, sondern auf eigenen Füßen stehen.“
„Ja, wir wissen, dass die Brexit-Abstimmung durch russische Troll-Fabriken und die Wahl von Trump durch Falschmeldungen in den Sozialen Medien beeinflusst worden sind. Die Verantwortungslosigkeit der Neuen Medien kann auch Menschenleben zerstören, wie im Fall der Italienerin Tiziana C. Ein privates Sex-Video mit ihrem Freund gelangte über Whatsapp plötzlich auf verschiedene Pornoseiten. Die junge Frau wurde daraufhin so schrecklich gemobbt und von ihrer italienischen Gemeinde ausgeschlossen, dass sie aus Depressionen Selbstmord begangen hat.“
„In Amerika gibt es das protektionistische Modell eines ‚America First‘, in China gibt es totale Abschottung und Zensur. Nur Europa lässt alles zu und bevorzugt die ausländischen Unternehmen sogar noch: Einige amerikanische Unternehmen zahlen zu wenig Streuern, halten sich nicht an die Gesetze und die Grundregeln des Journalismus. Mit dieser Ungleichbehandlung muss Schluss sein. Mindestens.“
„Das öffentlich-rechtliche System ist nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt worden, um die Macht des Fernsehens nicht in die Hand einzelner Unternehmen zu geben. Und auch nicht in die des Staates, nachdem man im Nationalsozialismus gesehen hat, was das anrichten kann. Man wollte Meinungspluralität schaffen – die Frequenzen waren ja knapp; mehr als zwei Sender gab es nicht. Das war damals sinnvoll, aber heute gibt es unzählige Fernsehsender. Die alte Idee ist dennoch gut: Denn heute gibt es wieder Monopole. Warum also nicht das öffentlich-rechtliche System neu erfinden und den Rundfunkbeitrag für eigene Produkte nutzen, die den europäischen Werten entsprechen und Qualitätsjournalismus ermöglichen – und das in Kooperationen mit privaten Medien.“
„Der Buchdruck ermöglichte breiten Bevölkerungsschichten, zu lesen und sich Wissen anzueignen. Aber es kam auch zu falschen Nachrichten, zu Hetze und Verleumdungen, die über Flugzettel schnell und massenhaft verbreitet wurden. So kam es zu den Hexenverbrennungen. Das Internet ist auch eine Revolution, die viel Positives gebracht hat. Google und Facebook benutzen das Internet nur für ihr Geschäftsmodell. Wir kritisieren die exklusiven Machtpositionen. Wir wollen das Internet wieder von den Silicon-Valley-Monopolen zurückerobern und dadurch den Markt neu beleben.“