Der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, hat dem ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Siegmar Faust bis auf Weiteres verboten, Besucher durch die Stasi-Gedenkstätte zu führen. Grund dafür war ein Artikel Fausts in der „Berliner Zeitung“, in dem er schrieb, „dass die Verbrechen der Nazizeit noch weiter wirken. Aber irgendwann muss das mal ein bissel aufhören. Man darf es nicht übertreiben.“ Der Stiftungsratsvorsitzende der Gedenkstätte, Berlins Kultursenator Lederer, hat Knabes Entscheidung ausdrücklich begrüsst.
Faust ist allerdings eine Legende unter den Stasi-Opfern. Sein Engagement für die Freiheit brachte ihm eine langjährige Haftstrafe in Cottbus ein. Auch durch tagelange Einzelhaft im „Tigerkäfig“ ließ er sich nicht brechen. Nach seinem Freikauf aus der DDR war Faust eine Zeit lang Assistent des Dissidenten und Sängers Wolf Biermann. Faus spricht manchmal die Sprache der Rechtspopulisten: die Medien manipulieren, die Regierenden hören nicht aufs Volk. Überhaupt leben wir angeblich wieder in Verhältnissen, die denen in der DDR nicht fern sind.
Die Rechtsdrift in der DDR-Opferszene gibt es überall. Der Dachverband UOKG zählt fast 40 Mitgliedsvereine, deren Anhänger in die Zehntausende gehen. Dabei ist doch klar, dass ein Teil der DDR-Kritik rechts motiviert war. Die AfD nutzt das für sich. Was sie allerdings als angeblichen „linksliberalen Meinungsterror“ bezeichnet, finden wir in den alten Bundesländern hinein bis in die CDU (Christian Booß; taz 17.7.18).
Christian Booß ist seit 2001 Forschungskoordinator der Stasi-Unterlagenbehörde, außerdem Vorsitzender des Vereins Bürgerkomitee 15. Januar. Kürzlich erschien seine Dissertation über Rechtsanwälte und politische Justiz in der DDR: „Im goldenen Käfig“. Göttingen 2017.