1994: Mesale Tolu in der Türkei festgehalten

Die 33-jährige deutsche Journalistin Mesale Tolu, die für eine kleine linke Nachrichtenagentur arbeitet, wird in der Türkei festgehalten. Zwar hat sie mittlerweile das Gefängnis verlassen und lebt mit Mann und Sohn zusammen, doch darf sie das Land bisher nicht verlassen. Darüber haben die ARD-Journalisten Oliver Mayer-Rüth und Cemal Tasdan ein „Weltspiegel“-Extra (eine Doku) gedreht, das sehr aussagekräftig ist. In dem Film wird der türkische Rechtsstaat in den Blick genommen. Da sieht es düster aus.

Mesale Tolu beschreibt, wie im April 2017 vermummte Polizisten in ihre Wohnung eindrangen und wie sie festgesetzt wurde. Angeklagt wurde die Übersetzerin und Journalistin wegen der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Terrorpropaganda. Konkret wird angeführt, sie habe an der Beerdigung zweier Frauen teilgenommen, die einer linksextremistischen Vereinigung angehörten. Tolus zweijähriger Sohn hat fünf Monate mit seiner Mutter in einem Frauengefängnis zugebracht. Tolus Fall ist nach dem „Putschversuch“ 2016 kein Einzelfall. Beim NATO-Partner Türkei sitzen mehr Journalisten im Knast als irgendwo sonst auf der Welt (Luisa Seeling, SZ 22.5.18).

„Weltspiegel Extra: Angeklagt in der Türkei“. Das Erste 22.5.18, 23.30 Uhr.

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