1944: Bücher über Karl Marx (1818-1883)

Am 5. Mai 2018 wird Karl Marx 200 Jahre alt. Er ist natürlich „umstritten“, wird aber von westlichen Theoretikern heute überwiegend und zu Recht abgelehnt. Das hängt natürlich mit den geistigen, menschenrechtlichen und ökonomischen Verheerungen des real existierenden Sozialismus (bis ca. 1990) zusammen. Für die waren aber nicht in erster Linie Karl Marx (1818-1883) und sein Mitstreiter Friedrich Engels (1820-1895) verantwortlich, sondern die russischen Revolutionäre und Theoretiker Wladimir I. Lenin (1870-1924) und Josef Stalin (1878-1953).

Franziska Augstein stellt in der SZ (29./30.3.18) zehn Bücher über Karl Marx vor, die ich bisher bei weitem nicht alle gelesen habe. Positiv fallen drei Bücher auf:

1. Gareth Stedman Jones: Karl Marx. Die Biographie (S. Fischer),

2. Jürgen Neffe: Marx. Der Unvollendete (Bertelsmann),

3. Klaus Gietinger: Karl Marx, die Liebe und das Kapital (Westend).

Sie zeigen, wie entspannt Marx heute manchmal gesehen wird. Denn „echte“ Marxisten würden das meiste davon als „Personalisierung“ ablehnen.

Ich erlaube mir, auf einige strukturelle Merkmale von Marx‘ Biografie und Theorie hinzuweisen. In meiner Studienzeit wurde Karl Marx ernst genommen.

1. In den aktuellen Diskursen wird klar, wie viel Marx dem deutschen Idealismus (u.a. mit seiner Dialektik, vgl. Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1770-1831) zu verdanken hat.

2. Ökonomisch gründet sich Marx auf die Theoretiker des Liberalismus Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-1823) und „überwindet“ sie.

3. Marx war der Begründer einer modernen und systematischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte.

4. Wie andere Dogmatiker auch hat Marx einige Entwicklungen seiner Zeit nicht gesehen, weil sie nicht in seine Theorie passten.

5. Bei der Bestimmung des Verhältnisses von Gesellschaft und Staat hat Marx sich mehrfach geirrt.

6. Die Möglichkeiten des Proletariats (der Arbeiterklasse) hat er falsch eingschätzt.

7. Die Begriffe Gebrauchswert und Tauschwert führen uns im Verständnis von Marktgeschehen weiter, aber noch nicht ans Ziel.

8. Die Verelendungstheorie ist falsch.

9. Marx hat die Perversitäten der gegenwärtigen Finanzmärkte vorhergesehen und einen pragmatischen Begriff der Wertschöpfung verwendet.

10. Mit Begriffen wie Kapital und Arbeit, Mehrwert, Lohnarbeit, produktive und unproduktive Arbeit können wir heute noch produktiv umgehen. Als eine gut lesbare Einführung in sein Werk empfehle ich von Karl Marx „Lohnarbeit und Kapital“ (1849).

 

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