„Die katholische Kirche verliert in Kardinal Karl Lehmann einen ihrer Intellektuellen, einen, der sich ein Leben lang dafür einsetzte, dass die katholische Kirche im Dialog mit der Gesellschaft blieb, mit der Politik, der Kultur, der Wissenschaft – und im Dialog mit den evangelischen Geschwistern im Glauben; ohne Lehmann wäre die Ökumene längst nicht so weit, wie sie heute ist. Als Theologe, in den 33 als Bischof und den 20 Jahren als Bischofskonferenzvorsitzender hat er dafür gearbeitet, die Grenzen dieser katholischen Kirche zu weiten, ohne sie zu durchbrechen; hat sich von den Vorwärtsdrängenden belächeln lassen und von den Konservativen beschimpfen, die in der ‚Lehmann-Kirche‘ den Ausverkauf des rechten Glaubens an den Zeitgeist witterten. Er hat vieles vorausgedacht, was unter Papst Franziskus geschieht; er hat dafür die Konflikte mit der Kirchenspitze in Rom in Kauf genommen und auch manche Demütigung ertragen in der Beharrlichkeit desjenigen, der überzeugt ist, dass die Argumente auf seiner Seite sind.
…
2013 gehörte Lehmann noch einmal zu den Papstwählern – es heißt, dass er sehr dazu beigetragen hat, dass Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires Papst Franziskus wurde. Am Abend jenes 13. März jedenfalls traf man in Rom einen glücklichen Kardinal Lehmann; erkennbar glücklich war er auch drei Jahre später, als er die Luther-Medaille entgegennahm, die höchste Auszeichnung, die die evangelische Kirche zu vergeben hat.“ (Matthias Drobinski, SZ 12.3.18)