1906: Jerofejew/Schneider: Wie wir Russland sehen.

Bedauerlicherweise bestehen über Russland sehr viele Vorurteile. Die Schriftsteller Viktor Jerofejew und Peter Schneider legen in einem Gespräch mit der FAZ-Russland-Korrespondentin Kerstin Holm vor den Präsidentenwahlen ihre Sicht der Dinge dar (FAZ 17.2.18). Ich fasse die Aussagen zusammen:

1. Seit der Oktoberrevolution 1917 haben bei politischen Auseinandersetzungen in Russland 60 Millionen Menschen gewaltsam ihr Leben verloren.

2. Putin ist das Ergebnis des Misserfolgs der russischen Demokratie in den Neunzigern.

3. Seine derzeitige Popularität beruht auf der Annexion der Krim und dem unerklärten Krieg in der Ukraine. Dafür schätzen ihn die weitaus meisten Russen.

4. Warum sollte Putin den baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen) gegenüber nicht eine ähnliche Strategie verfolgen?

5. Putin schreckt nicht davor zurück, in Syrien Giftgasattacken und Folterungen zu decken und im Weltsicherheitsrat jede Lösung zu torpedieren.

6. „Russland-Versteher“ gibt es in Deutschland traditionell auf der deutsch-nationalen Rechten (heute: AfD), bei den Linken und auch bei den Globalisierungskritikern von Attac.

7. Die EU hat Angst vor Russland.

8. Bei freien Wahlen in Russland hätte der Ultranationalist Wladimir Schirinowski sehr gute Chancen. Auch der tschetschenische Despot Ramsan Kadyrow. Die Liberalen kämen wohl auf ca. 15 Prozent, Aleksej Nawalnyj auf etwa acht (8) Prozent. Machen wir uns also nichts vor.

9. Mehr als 55 Prozent der Russen halten Stalin für den Haupthelden des 20. Jahrhunderts.

10. Putin selbst ist liberaler als die russische Bevölkerung. Diese würde gerne die Todesstrafe wieder einführen und das Recht, untreue Frauen zu verprügeln.

11. Der Oppositionelle Aleksej Nawalnyj hat für Putin die Funktion, dass er seinetwegen seine Minister an der Kandare halten kann.

12. Ein vorsichtiger Blick in die Zukunft lässt erkennen, dass der kalte Krieg mit Russland noch kälter werden wird.

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