Anlässlich seines Besuchs bei der britischen Premierministerin Teresa May wird der französische Präsident Emmanuel Macron seine Zustimmung dazu erklären, dass der
Teppich von Bayeux
innerhalb der kommenden fünf Jahre nach Großbritannien ausgeliehen wird. Der im Stadtmuseum von Bayeux (Normandie) ausgestellte 68 Meter lange Teppich enthält als Bildergeschichte mehr als 50 Szenen der Eroberung Englands durch den normannischen Herzog
Wilhelm den Eroberer (William the Conqueror, Guillaume le Conquerant)
in der
Schlacht bei Hastings 1066.
Das bis dahin überwiegend angelsächsische England wurde danach grundlegend nach den Regeln der normannischen Feudalgesellschaft umgestaltet. Die Normannen waren hervorragende Krieger und spielten bei den Kreuzzügen eine zentrale Rolle. Sie besiedelten Süditalien und beschützten den Papst als Soldaten vor dem deutschen Kaiser.
Die Leihgabe ist wohl angesichts des Brexits eine Geste zur langfristigen gedeihlichen Zusammenarbeit. Bisher galt der Teppich von Bayeux als zu empfindlich für einen Verleih. Lange verschollen tauchte er erst im 15. Jahrhundert in der Kathedrale von Bayeux wieder auf. In Auftrag gegeben worden war das Kunstwerk wohl von Wilhelms Halbbruder Odo 1070, dem Bischof von Bayeux.
Für die Eroberung Großbritanniens hatte Wilhelm damals in Dives/Cabourg, unserem langjährigen Urlaubsdomizil in der Normandie, eigens eine Flotte von über einhundert Kriegsschiffen bauen lassen. Die Schlacht von Hastings markiert die bisher letzte erfolgreiche Eroberung der britischen Inseln vom europäischen Festland aus. Ein genauer Termin für die Ausstellung in England steht noch ebenso wenig fest wie der Ausstellungsort (Alexander Menden, SZ 18.1.18).