Der 1954 in Wien geborene jüdische Schriftsteller Robert Menasse ist ein erfolgreicher Essayist und Romancier. 2017 erhielt er für seinen Roman über Brüssel „Die Hauptstadt“ den deutschen Buchpreis. Sein Vater war Fußballprofi, Rechtsaußen. Seine Schwester Eva hat gerade den österreichischen Buchpreis gewonnen. Im Interview mit Egbert Toll und Antje Weber (SZ 13./14.1.18) sagt Menasse:
„Das ist immer menassisch gewesen, die Lust am Erzählen.“
„Im Mai 1968, als große Demonstrationen durch Paris zogen, kam einmal ein Zug mit
Sartre und de Beauvoir
an dem Haus vorbei, in dem
Michel Foucault
wohnte. Der Sartre denkt sich in dem Moment, wieso ist eigentlich nicht der Foucault bei uns? Er klingelt beim Foucault und sagt zu ihm: ‚Schau mal zum Fenster runter, da siehst du, was unten los ist. Du musst dich wie wir an die Spitze der Bewegung stellen. Man will dein Wort hören!‘ Foucault deutet auf seinen Schreibtisch, auf dem die Schreibmaschine steht und viele Papiere liegen, und sagt: ‚Schau, das hier, das kann nur ich. Das kann keiner von denen, die da unten gehen.'“
„Als ich im Internat verprügelt wurde, habe ich mich nicht gewehrt. Ich habe mir gedacht, wenn ich stillhalte und mich abwatschen lasse, ist es schneller vorbei. Bei einem aggressiven älteren Schüler dachte ich einmal: Das Einfachste wäre, ich schlage ihm mitten ins Gesicht und breche ihm das Nasenbein, dann ist Ruhe. Aber der erste Gedanke war: Der wird noch aggressiver. Und der zweite: Wenn ich ihn verletze, bin ich an was schuld. Ich habe sogar als Opfer Angst davor gehabt, Schuld an irgendetwas zu haben. Und dieses Nicht-Zurücksachlagen hat mich lange, lange beschäftigt. Deswegen bin ich dann ja in einen
Boxklub
gegangen.“
„(Thomas) Bernhards Werk .. kann man zusammenfassen mit dem Satz: Alle Österreicher sind Faschisten, alle Österreicher sind Katholiken, und das Schlimmste in Österreich sind die katholischen Faschisten.“
„Im Café de Flore in Paris hängt ein Foto von Sartre, mit einer Zigarette im Mundwinkel. Unter dem Foto ist heute ein Schild: Rauchen verboten.“