Alice Schwarzer wird 75. Die bekannteste deutsche Feministin hat sich um die Emanzipation von Frauen in Deutschland sehr verdient gemacht. Auch wenn bei weitem noch nicht alles erreicht worden ist. Aber ein gutes Stück des Weges ist geschafft. In letzter Zeit wird Alice Schwarzer wie ihre französische Kollegin, die Philosophin Elisabeth Badinter, von jüngeren, sogenannten intersektionellen Feministinnen kritisiert. Sie werfen den Leitfiguren Rassismus gegenüber jungen männlichen Muslimen aus Nordafrika vor.
Michaela Wiegel hat Elisabeth Badinter und Alice Schwarzer für die FAS (10.12.17) interviewt:
Badinter: Seit viele sozial benachteiligte Familien unter dem Einfluss der Salafisten oder der Muslimbruderschaft stehen, wiegt das Wort der
Imame
schwerer als das der
Lehrer.
In zahlreichen Klassenzimmern in den Vorstädten kann die Geschichte des Holocausts nicht mehr unerrichtet werden, so stark ist die Ablehnung der Schüler. Das Wort des Lehrers gilt als Ausdruck der dominanten Mehrheitsgesellschaft, von der sich manche Schüler ausgegrenzt fühlen. Manche Eltern bestärken ihre Kinder in dem Glauben, dass der Imam wichtiger als der Lehrer sei. Für die Lehrer ergibt sich daraus eine unglaublich schwierige Situation. Wir haben innerhalb kürzester Zeit 2 500 Moscheen in Frankreich gebaut, und langsam entwickelt sich genau das, was radikale Islamisten fordern: ein
Separatismus der muslimischen Minderheit
gegenüber dem Rest der Nation. Wir haben diese Entwicklung hingenommen und das mit der Pflicht zur Toleranz gerechtfertigt.
…
Schwarzer: Man muss sich das mal vorstellen: Wir, Elisabeth Badinter und ich, werden beide wegen unserer kritischen Position zum politisierten Islam – dessen erste Opfer übrigens Muslime sind – von einem Teil der
Linken
und manchen jüngeren sogenannten intersektionellen Feministinnen als islamophobe Rassistinnen diffamiert, als weiße, bürgerliche Feministinnen, die nicht das Recht hätten, andere Kulturen zu kritisieren. Ich stand am Pranger, weil ich gewagt hatte, auf den Fakt aufmerksam zu machen, dass es überwiegend Männer aus dem Maghreb waren, die in der
Silversternacht in Köln
Frauen sexuell belästigt hatten. Aber wie wollen wir die Realität ändern, wenn wir sie nicht benennen dürfen.