Für die „Zeit“ (2.11.17) hat Stefan Koldehoff den Präsidenten des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, über die Lehren aus dem Fall Gurlitt befragt.
Zeit: Herr Lauder, was lässt sich aus dem Fall Gurlitt lernen?
Lauder: Unzählige Opfer und deren Erben sind noch immer auf der Suche nach ihrem rechtmäßigen Eigentum. Dank Gurlitt haben Millionen von Menschen plötzlich verstanden, dass es auch Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrige das Problem im Umgang mit NS-Raubkunst weiterhin gibt und einige der Profiteure dieser Verbrechen noch immer unter uns leben. Der Druck auf jene, die sich der Vergangenheit noch nicht gestellt haben, hat zugenommen. Das Versteckspiel ist definitiv vorbei.
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Zeit: Was erwarten Sie jetzt von den Ausstellungen in Bonn und Bern?
Lauder: Ich hoffe, dass die Besucher zwei Dinge verstehen werden. Erstens: Es geht hier nicht ums Geld. Es geht um moralische Verpflichtungen, die Museen und Sammlungen erfüllen müssen. Und zweitens: Der Fall Gurlitt und die Ausstellungen sind nur ein kleiner Teil des großen Ganzen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.