Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, wird für seine Geldpolitik hart kritisiert. Sie bringe die Inflation zurück, ersticke den Reformwillen und gewöhne die Wirtschaft ans billige Geld. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass Draghis Politik ihren Grund darin hat, Wachstum befördern zu wollen. Das oberste Ziel soliden Wirtschaftens. Selbstverständlich muss dieses Ziel im Einklang stehen mit den anderen Werten wie der Geldwertstabilität etc. Alexander Dobrindt (CSU) (das ist der Dobrindt mit der fremdenfeindlichen Maut) nannte Draghi einen „Falschmünzer“, Frank Schäffler (FDP) ihn einen „Brandstifter“. Nur gut, dass der Einfluss der Politiker aus der dritten Reihe nicht allzu groß ist.
Zur Zeit will Draghi allmählich weniger Staatsanleihen kaufen und dann die Zinsen wieder anheben. Keines der angedrohten Horrorszenarien ist bisher eingetreten. Die Euro-Zone war 2016 die westliche Wirtschaftsregion mit dem höchsten Wachstum und der niedrigsten Inflationsrate. Natürlich können wir nie sicher sein, dass keinesfalls wieder eine große Spekulationsblase heranwächst. Aber im Moment spricht mehr dafür, dass Draghi Erfolg hat. Er will nicht den Deutschen das Geld aus der Tasche ziehen. Genauso wenig wie es Angela Merkel (CDU) Freude bereitet, wenn die Griechen leiden. „Das anzuerkennen bedeutet nicht, auf eine kritische Haltung zu verzichten, aber wohl, Maß und Mitte zu bewahren.“ (Mark Schieritz, Die Zeit 26.10.17)