Im Berliner Haus der Kulturen der Welt (der früheren „Kongresshalle“, in der ich Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts einige Feste mitgefeiert habe) beginnt nächste Woche die Ausstellung „Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg“. Es geht dabei in erster Linie um die Einflussnahme der „Central Intelligence Agency“
(CIA), des US-Geheimdienstes,
auf deutsche Intellektuelle und Künstler in der Nachkriegszeit. Insbesondere auf solche, die sich als nicht-kommunistische Linke verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei der Kongreß für die kulturelle Freiheit (CCF) 1950, der von Antikommunisten wie
Arthur Koestler und Raymond Aron
dominiert wird. Kuratiert wird die Ausstellung von Anselm Franke, der dazu von Katrin Lorch interviewt wurde (SZ 25.10.17):
SZ: Und warum hatte ein Schriftstellerkongress so eine Bedeutung?
Franke: Der CCF unterhielt später ein nahezu globales Netzwerk, er unterstützte und unterhielt bis zu
fünfzig überwiegend literarische Zeitschriften
in etwa vierzig Ländern von Südafrika über Lateinamerika bis hin zu Korea oder den Philippinen, er war weltweit an der Organisation von Festivals und Ausstellungen beteiligt, wichtige Infrastrukturen.
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SZ: Zeigt sich darin nicht einfach eine Nachfrage nach neuen Formen der Debatte?
Franke: Sicherlich. Es ging ja nicht zuletzt auch um die Suche nach
„dritten Wegen“,
um Diskurse jenseits der Ideologie. Aber im Rückblick zeigt sich eben auch der durch und durch ideologische Charakter des Freiheitsdiskurses und, wie wir heute sehen, auch dessen Fragilität. Eine Publikation wie die New Yorker „Partisan Review“ war das Vorbild für das vom CCF gegründete deutsche Magazin
„Der Monat“
mit einem kultivierten und überwiegend literarischen, aber auch deutlich
konservativen
Kurs: Brillante Essayisten schrieben Kritiken, die sich bedeutender gaben als die Literatur selbst.
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