Manchmal drängt sich mir der Eindruck auf, dass es um den Konservatismus in Deutschland nicht zum Besten bestellt ist. Ich glaube aber, dass die Konservativen gebraucht werden. Und dass sie sich deshalb ruhig ein bisschen Mühe geben könnten. Einen Versuch macht dazu der langjährige Feuilleton-Chef der „Zeit“ Ulrich Greiner (davor FAZ) in seinem Buch
Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 2017, 160 S., 19,95 Euro.
Das Buch beruht auf einem Artikel in der „Zeit“ vom März 2016.
1. Greiner möchte als Konservativer „jenseits von politischer Korrektheit und diesseits der AfD“ erscheinen.
2. Als Konservative anerkennt er Rüdiger Safranski, Sibylle Lewitscharow, Martin Mosebach und Peter Sloterdijk, immerhin.
3. Bei jemandem, der das Abendland verteidigt wie Greiner, hätte man sich ein wenig mehr Lob für die politischen Diskurse seit der französischen Revolution vorstellen können.
4. Er möchte keine „Wintermärkte“ anstatt der „Christkindls“- und „Weihnachtsmärkte“.
5. Mit all unseren Rauchverboten, Anschnall- und Helmpflichten sind wir nach Greiner auf dem Weg in eine „Diktatur der Fürsorge“.
6. Greiner meint, da stimmen wir alle zu, dass wir unsere Sprache besser pflegen müssen.
7. „Eine Versöhnung mit dem radikalen Islam ist nicht möglich, eine Versöhnung mit den moderaten Muslimen nicht nötig.“
8. Greiner möchte katholisch sein dürfen. Von mir aus gerne.
9. Greiner geißelt den modernen Moralismus als „Triumph der Gesinnung über die Urteilskraft“. Moralisiert er nicht selbst auch?
10. Greiners Kritiker Jens Bisky (SZ 29.8.17) findet das alles zu „privat“. Er vermisst die großen Konservativen, den Historiker Joachim Ritter, den Sozialphilosophen Arnold Gehlen, den Soziologen Helmut Schelsky und den Moralphilosophen Robert Spaemann. Vermisse ich die eigentlich auch?
Die in Greiners Buch überall zu spürende Kritik an der CDU/CSU finde ich ungerecht; denn die Union will ja Wahlen gewinnen.