845: Das Elend der Bildungsdebatte

Jürgen Kaube ist kürzlich FAZ-Herausgeber geworden und dort für das Feuilleton zuständig. Dass er dafür der geeignete Mann ist, dafür spricht das von ihm herausgebene Buch

Im Reformhaus. Zur Krise des Bildungssystems. Springe (zu Klampen) 2015, 174 Seiten, 18 Euro.

Kaube schreibt: „Das Elend der Bildungsdebatte liegt in der Unfähigkeit, die Schule als Schule und die Universität als Universität wertzuschätzen: ihre Anforderungen, ihren Eigensinn, ihre guten Traditionen.“

In dem Band werden „Bildungsziele und Bildungsregeln“, „Bologna und die Folgen“, die „Lage der Geisteswissenschaften“ und der Bildungssoziologe Charles Perrow behandelt (Jens Bisky, SZ 18.2.15). Perrow hatte in den fünfziger Jahren unter PR-Gesichtspunkten eine Klinik in Michigan analysiert und ihre Vorzüge in außermedizinischen Faktoren gefunden wie Fernsehgeräten, einem Museum, besserem Frühstück etc. So ist es heute nach Kaube auch mit den deutschen Universitäten. Da sie ihren Ruf nicht mehr vom Renommée bei den Studenten ableiten, setzen sie auf den

Perrow-Effekt

mit Rangtabellen, Drittmittellisten und Siegen in Exzellenz-Wettbewerben. Die Qualität von Forschung und Lehre ist weniger gefragt. Ja, wir brauchen heute anscheinend Programme dafür, dass an den Universitäten noch geisteswissenschaftliche Monografien geschrieben werden können. Eine wissenschaftspolitische Bankrotterklärung.

Anscheinend dient die Ausbildung von Studenten an Universitäten nur noch der Förderung der Angepasstheit und Folgsamkeit (Yascha Mounk, Die Zeit 29.1.15). Darin sehen viele Unternehmen offenbar einen ökonomischen Nutzen. Allgemeinbildung ist nicht mehr gefragt. Das wird mit dem Argument unterfüttert, dass dann, wenn die Allgemeinbildung weniger gelte, die Chancengleichheit steige. Dazu sage ich dann:

Zum Teufel mit den Chancengleichheit. Es geht hier um unsere Besten.

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