Der Politologe Münkler schreibt:
„Man wird es wohl als tragisch bezeichnen müssen, dass die „entgegenkommenden Verhältnisse“, auf denen der Geltungsanspruch von Habermas Theorie beruht hat, in den letzten Jahren mehr und mehr erodiert sind . und das in dreierlei Hinsicht: der Aufstieg populistischer Bwegungen nicht nur in Deutschland, sondern überall in der freien Welt, widerspricht den fundamentalen Annahmen, die Habermas seiner „Theorie des kommunikativen Handelns“ zugrunde gelegt hat. Nicht der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“, sondern das Ressentiment bestimmt das Wahlverhalten eines wachsenden Anteils der Wählerschaft. Ironischerweise hat ausgerechnet der von Habermas stiefmütterlich behandelte Friedrich Nietzsche den Begriff des Ressentiments als Analysekategorie in die deutsche Philosophie eingeführt. Sodann ist inzwischen das von habermas lange favorisierte Projekt einer Demokratisierung Europas zum Mittel der Zerstörung eines handlungsfähigen Europa sgeworden. Will die Europäische Union sich gegenüber Russland, China und den USA behaupten, so muss sie auf Handlungsfähigkeit und nicht auf weitere Demokratisierung setzen. Schließlich kommt noch das Zerbrechen der der wertgestützten und regelbasierten internationalen Ordnung hinzu, in der vernünftige Deliberation kaum noch eine Chance auf Wirkmächtigkeit hat. Habermas dürfte unter diesen Entwicklungen in den letzten jahren sehr gelitten haben.“
Herfried Münkler gehört zu den wenigen, die Habermas richtig einschätzen. Ansonsten wird er überschätzt.