4479: Roman Deininger erläutert uns die Wählerstrukturen.

Der SZ-Journalist Roman Deiniger hat wesentlich an der Aufklärung der Aiwanger-Affäre (Freie Wähler) mitgewirkt. Und er kennt die Wählerstrukturen in Deutschland und speziell in Bayern genau. Darüber informiert er uns. Ich vereinfache und numeriere:

1. Die westliche Gesellschaft ist gekennzeichnet von Säkularisierung und Individualisierung. Das macht es den Volksparteien schwer, soweit es sie noch gibt.

2. Die CSU ist in Deutschland die letzte Volkspartei mit Ergebnissen um 40 Prozent.

3. Intwischen haben wir eine Bruchlinie zwischen Stadt und Land.

4. Das äußert sich einmal in den „Kosmopoliten“, welche die Veränderung wollen, und den „Heimatbewahrern“.

5. Der CSU ist es bisher gelungen, den gesellschaftlichen Wandel in Bayern von der Agrar- zur Industriegesellschaft zu moderieren.

6. Markus Söder konnte sich von Anfang an nicht recht zwischen „Kosmopoliten“ und „Heimatbewahrern“ entscheiden. Deswegen schwankt er so.

7. Inzwischen haben sich überall materielle und kulturelle Verlustängste breitgemacht.

8. Die Flüchtlingskrise 2015 hat nicht zu ausreichender Integration geführt. Dazu kommen die Wirtschaftskrise, die Energiekrise und der russische Vernichtungskrieg in der Ukraine.

9. Mit der Gelassenheit und der Systemtreue der Bundesdeutschen ist es vorbei.

10. Wahrscheinlich wäre eine schwarz-grüne Koalition die einzige, die vermitteln könnte zwischen „Kosmopoliten“ und „Heimatbewahrern“.

11. Bisher wollen 92 Prozent der CSU-Wähler an einer Koalition mit den Freien Wählern festhalten.

12. Deutschland ist aber noch weit entfernt von einer gesellschaftlichen Spaltung wie in den USA.

13. Aiwangers Flugblatt-Affäre könnte aber zu einem Katalysator für die Spaltung werden.

14. Vor diesem Hintergrund muss man Charlotte Knoblochs Bemerkung sehen, durch Söders Entscheidung, Aiwanger nicht zu kündigen, sei eine „noch größere Katastrophe“ verhindert worden.

15. Markus Söder hat opportunistisch entschieden. Aus heißer Angst und kühler Abwägung. Damit hat er verhindert, dass die Volkspartei CSU den Weg des Zerfalls geht (SZ 9./10.9.23).

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