3948: Documenta-Chefin Angela Schormann wird entlassen: endlich.

Der Documenta-Aufsichtsrat hat beschlossen, die Leiterin der Ausstellung, Angela Schormann, zu entlassen. Wegen des antisemitischen Kunstwerks „People’s Justice“ der indonesischen Künstlergruppe Taring Padi und der mangelnden Aufklärung der Vorgänge. Die Aufarbeitung wurde verschleppt. Es war wohl viel Dilettantismus im Spiel. Nach Meinung des Aufsichtsrats handelte es sich um eine „klare Grenzüberschreitung“. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) hat der Entscheidung zugestimmt. Ebenso Grüne und FDP. Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Helge Lindt, sprach von einem „überfälltigen Befreiungsschlag aus einem Teufelskreis von Missmanagement und Misskommunikation“.

So weit, so gut.

Aber reicht das? Für den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, kommt die Entscheidung viel zu spät. „Es sind noch sehr viele Schritte zu gehen.“ Nach Meinung des Documeta-Aufsichtsrats soll die Aufklärung „wissenschaftlich begleitet“ werden. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, nutzte Schormanns Absetzung für eine Ausweitung des Bundestagsbeschlusses gegen die anti-israelische Boykottbewegung BDS.

Schormann hatte wohl bis zum Schluss die Unterstützung von Kassels OB, Christian Geselle. Ohnehin lässt die SPD hier Unklarheiten über ihre Haltung zu. Eine Rolle scheint der „postkolonialistische Ansatz“ in der Kunst gespielt zu haben. In dem Beschluss des Aufsichtsrats werden keine Namen genannt, obwohl die Probleme seit mindestens einem Monat bekannt sind. Wahrscheinlich weiß man noch keine. Kein gutes Zeichen. Schormann hatte ihr Verhalten stets mit der „Kunstfreiheit“ begründet. Eine Kaschierung von Verantwortungslosigkeit (Sonja Zekri, SZ 18.7.22; Jörg Häntzschel, SZ 18.7.22).

Immerhin: eventuell kann trotz des Versagens Einzelner die Documenta insgesamt gerade noch einmal gerettet werden. Hoffen wir es!

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