3755: Was macht Harald Schmidt am Tegernsee ?

Seit acht Jahren ist Harald Schmidt nicht mehr im Show-Business. Jetzt haben ihn Stephan Maus und Hannes Roß für den „stern“ (3.2.22) interviewt. Hoffentlich verstehen das alle Leser!

Schmidt: … Es gibt diesen alten Karl-Valentin-Witz: „Mit dieser neuen Eisenbahn bin ich in 20 Minuten am Tegernsee. Bloß, was mach ich dann dort?“

Stern: Kein verrücktes Hobby angefangen?

Schmidt: Um Gottes Willen! Mein Hobby ist der Alltag. Ich gehe gern in Supermärkte. Dort lasse ich die Leute an der Kasse vor. Ich sehe am Gesichtsausdruck der Menschen hinter mir: „Das ist das Arschloch aus dem Fernsehen.“ Und ich sage: „Bitte gehen Sie vor.“ Dann sind sie geschockt. Ich quäle Menschen durch Höflichkeit.

Stern: Man findet Sie nicht in Drei-Sterne-Restaurants?

Schmidt: Nie. Wenn ich hart drauf bin, gibt’s abgepackte Currywurst für die Mikrowelle.

Stern: Sie wirken pikiert? Weil wir Sie als Zyniker beschreiben?

Schmidt: Nur wegen der Unkenntnis darüber, was Zynismus bedeutet. Wenn man sagt: „Können Sie ein bisschen zur Seite gehen, weil ich sonst im Schatten sitze?“ heißt es: „Ganz schön zynisch.“ Was heute alles zynisch und menschenverachtend sein soll, das ist doch inflationär.

Stern: Hat der Zeitgeist Sie überholt?

Schmidt: Nicht überholt. Er hat sich verändert.

Stern: Inwiefern?

Schmidt: Man ist heute wütend, gekränkt und beleidigt. Das ist das neue Staatsgefühl: ständig in seiner Würde verletzt zu sein.

Stern: Was würde Sie noch locken im TV?

Schmidt: Nichts.

Stern: Hätte es Sie iriitiert, wenn Impfgegner Sie vereinnahmt hätten?

Schmidt: Kriege ich nicht mit, weil ich in keinem sozialen Netzwerk unterwegs bin. Ich musste mir neulich erklären lassen, was es heißt, wenn einer „trendet“.

Stern: Sie müssten ja nicht den Glauben hinter sich lassen, nur die Institution.

Schmidt: Es gehört mit dazu, dass ich die positive Seite in der Kirche stärke. Ich kenne einfach viele fantastische Priester. Oder großartige Krankenhäuser, die von katholischen Orden getragen werden. Das darf man bei all dem Horror nicht vergessen.

Stern: Denken Sie darüber nach, wie Sie sterben werden?

Schmidt: Meine bevorzugten Todesarten wechseln je nach Tagesform. Wenn ich an Udo Jürgens denke, der eben noch auf der Bühne stand und beim Spaziergang am Bodensee aus heiterem Himmel zusammenbrach, denke ich schon: sicher eine schöne Sache für den, der stirbt. Aber für die Hinterbliebenen natürlich ein Schock.

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