Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen, den viele von uns als kundigen Analytiker von Wahlergebnissen kennen, charakterisiert den Zustand der wichtigsten Parteien (SZ 9.4.21):
1. Die CDU/CSU hat immense personelle Defizite zu kaschieren. Zusammen mit der Masken-Affäre und dem Versagen bei der Corona-Bekämpfung ist daraus eine Vertrauenskrise geworden. „Darunter wird die Union noch lange leiden; es stellt das entscheidende Handicap für ein passables Abschneiden bei der Bundestagswahl dar.“
2. Wenn ein heißer Sommer das Thema Klimaschutz verstärkt, könnte das den Grünen die Favoritenrolle für die Bundestagswahl bringen. „Aber gerade das stellt die größte Gefahr für ihren Erfolg dar. Gegen eine starke Juniorpartnerschaft der Grünen in der Bundesregierung gäbe es in der Wählerschaft kaum Widerstand. Eine Favoritenrolle aber wirft die Frage auf: Kann Robert Habeck Kanzler oder Annalena Baerbock Kanzlerin?“
3. „Die SPD ist weiter in ihrem Selbstverzwergungsprozess gefangen, bei dem jedwede Zuwendung zur immer stärker werdenden politischen Mitte durch die üblichen sozialdemokratischen Traditionskompanien unterbunden wird und erfolgversprechende Kandidaten wie Olaf Scholz maximal beschädigt werden.“