Anlässlich der Enthauptung eines Pariser Lehrers durch einen muslimischen Terroristen legt der Politikwissenschaftler Stephan Grigat in der „taz“ (20.10.20) dar, dass ein simpler „Wald- und Wiesenatheismus“ keine geeignete Antwort ist.
1. Wir kennen die Gewalt bis zum Mord durch Muslime anhand des „Karikaturenstreits“ (2006), des Mordanschlags auf den Zeichner Kurt Westergaard (2010), der Ermordung von Redaktionsmitgliedern von „Charlie Hebdo“ (2015) und die Enthauptung eines französischen Lehrers (2020).
2. Witze über die islamische Religion werden der Sache nicht gerecht.
3. Die Täter kommen immer wieder aus den Kreisen des „Islamischen Staates“ oder der „Islamischen Republik“.
4. Max Horkheimer hat nachdrücklich darauf hingewiesen, dass wir die Unterschiede zwischen den Religionen thematisieren müssen.
5. „Kant brachte Vernunft und Mündigkeit gegen den alten Gottesglauben in Anschlag und Ludwig Feuerbach sah in der Religion die Projektion menschlicher Sehnsüchte. Marx beschrieb die Religion als Opium des Volkes, Freud ortete im Glauben kindliche Wunschvorstellungen und Sartre betrachtete Religion völlig zu Recht als Bedrohung für die menschliche Freiheit.“
6. „Es geht heute darum, die bürgerlichen Freiheiten von Leuten wie Ayaan Hirsi Ali zu verteidigen, die den Propheten einen perversen Tyrannen genannt hat, von Hiphoppern, die Jesus als Bastard titulieren, und von israelischen Poplinken, die verkünden, der Messias werde nicht kommen.“
7. „Und die Reaktion auf die grauenhafte Enthauptung eines Pariser Lehrers aufgrund seines selbstverständlichen Eintretens für das kleine Einmaleins der Aufklärung kann kein abstrakter Wald- und Wiesenatheismus sein, dem alles eins ist.“
8. „Wenn Linke und Liberale sich nicht einmal angesichts solcher Brutalität zu einer konsequenten Kritik sowohl des radikalen Islamismus als auch jener Elemente des orthodox-konservativen Mehrheitsislams bequemen, welche die emanzipatorischen Errungenschaften westlicher Gesellschaften bedrohen, werden weiterhin antikosmopolitische politische Formationen mit ihrer ‚Islamkritik‘ reüssieren, die hinsichtlich Antisemitismus, Misogynie und Homophobie vom Objekt ihrer Kritik bei weitem nicht so weit entfernt sind, wie sie gerne suggerieren.“