Die zentrale Frage in Jens Biskys Buch „Die Entscheidung“ lautet, ob die Machtübernahme durch Adolf Hitler und die Nationalsozialisten 1933 unausweichlich war. Die Antwort lautet: nein. Aber um das zu belegen, bedarf es umfassender Recherchearbeit. Bisky untersucht „Schlüsselmomente“, in denen die Handelnden mit ihren Illusionen, ihrer Ratlosigkeit, ihrer Verzweiflung und ihrem Anspruchspathos reflektiert werden. Alles im einzelnen hätte nicht zur Machtübernahme geführt. Das geschah zusammen. Als Einstiegsdatum seiner Erzählung nimmt Bisky den Tod Gustav Stresemanns 1929.
„Zum Dritten Reich führten viele kleine und große Entscheidungen – und nicht zuletzt die zeittypische Erwartung, die eine, alles umwälzende Entscheidung stünde unmittelbar bevor.“ „Dem 30. Januar 1933 gingen viele kleine und größere Siege der NSDAP voraus, an Universitäten, in Vereinen, Kommunen, auf der Straße und in den Zeitungen.“ Mit ausschlaggebend waren Reichspräsident Hindenburg, die Industrie und die Großagrarier. Der britische Historiker Jan Kershaw hat bereits vor 30 Jahren gesagt, dass es nicht die Nationalsozialisten waren, die die Weimarer Republik zerstörten, sondern dass sie es waren, die von der Zerstörung der Republik profitierten (Ute Daniel, SZ 19./20.10.24).