4462: Robert de Niro 80

Ich erinnere mich an einige Fimnachmittage im Göttinger „Stern“ oder „Sternchen“, für die ich mich in den siebziger Jahren freimachen konnte. Zu Filmen mit Robert de Niro (geb. 1943) oder von Martin Scorsese. Manchmal war ich der einzige Gast. So bei „Hexenkessel“ (1973) oder „Taxi Driver“ (1976). Der große Kino-Metaphysiker der Gewalt, Martin Scorsese, brauchte dazu Robert de Niro. Dessen ungeheure Arroganz und Intensität waren unersetzlich. Heute nicht mehr, wo er 80 Jahre alt wird, aber das liegt nicht an de Niro, sondern an den modernen Filmen.

De Niro verkörperte schon in jenen Filmen den Typus des weißen Manns, der Indigene bekämpft. Die Linken mögen ihn deswegen nicht. Er wirkt nicht fortschrittlich genug. Dafür wahrhaftig. So auch in „Raging Bull“ (1980), wo er den Mittelgewichtler Jake La Motta verkörpert, dem er zwei Jahre vor dem Film auf den Pelz und in die Wohnung rückte. De Niro lernte Boxen. Und wir Boxfans erkannten, dass das gelang. Schon viele große Hollywood-Schauspieler hatten Boxer gespielt, aber Robert de Niro übertraf sie alle. Er wurde Weltmeister (der Schauspielkunst). Vielleicht hat er nicht so viel Charisma wie andere Schauspieler, aber versiegelt sich in seine Rollen. So bei „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (2000). De Niro verkörperte weithin den Zorn der städtischen, besitzlosen Klassen. Wie gut; denn den Linken heute fällt dazu ja nicht allzu viel ein (Philipp Bovermann, SZ 17.8.23).

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