4297: Pablo Picasso – aus der Zeit gefallen ?

Picassos Todestag jährt sich am 8. April 2023 zum 50. Mal. Und insgesamt finden dazu 50 Ausstellungen überall auf der Welt statt. Zu seinem Tod schrieb Werner Spies 1973: „Superlativ an Genie, Ruhm, physischem Dasein und Glück“. Weithin gilt Picasso immer noch als der Größte unter den Großen. Mit dem umfangreichsten Werk. Viele feiern den vulkanischen Maler, erhitzt und drängend. Seine Chiffren- und Figurenwelt ist einmalig. Und doch melden sich zunehmend skeptische Stimmen, gerade unter jungen Künstlern. Picassos absoluter Freiheitsbegriff, seine Ichbezogenheit und sein nimmermüder Schaffensdrang werden neuerdings belächelt.

Viele seiner Werke ließ er unbetitelt, sie sollten Ausdruck ihrer selbst sein. Picasso hat den Kubismus mit erfunden, die Gleichzeitigkeit mehrerer Perspektiven. Aber es fehlt die Perspektive einer Frau, wie Verena Harzer in der „taz“ (14.4.23) zu Recht schreibt. Harzer schildert Picasso als „gewalttätigen, eifersüchtigen, perversen und zerstörerischen“ Mann. Und Hanno Rauterberg schreibt, dass Picasso seine Frauen im realen Leben schikanierte und quälte, „er unterwarf sie seiner animalischen Sexualität“ (Zeit 5.4.23). Das ist natürlich in „Me too“-Zeiten nicht mehr korrekt. Andererseits wissen wir das doch seit vielen Jahrzehnten. Und können nun nicht überrascht tun. In seinen zahlreichen Frauenporträts verdrehte er die Köpfe, zerhieb er die Leiber und montierte sie neu.

Auch Picassos Begeisterung für afrikanische Masken ist heute nicht mehr korrekt. „Auch diese Art von Universalismus, von essenzialistischem Denken, will heute kaum noch jemandem gefallen.“ (Rauterberg) Picasso begeisterte sich für das Unabgeschlossene, er wollte keiner Masche aufsitzen, keinem Stil treu sein. „Weiter, immer weiter.“, war sein Motto. Die Methode Picasso, seine Lust an der künstlerischen Arbeit, ist noch immer die Methode Zukunft.

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