Caren Miosga moderiert seit 15 Jahren die „Tagesthemen“. In einem Interview mit Johanna Adorjan gibt sie Auskunft über ihre Perspektiven auf Fernsehnachrichten (SZ 16./17.7.22).
SZ: Seit 15 Jahren befassen sie sich intensiv mit der Weltlage. Täuscht der Eindruck, dass alles immer schlimmer wird?
Miosga: Ich würde dem gerne widersprechen, aber es fällt gerade schwer. Denn über allem liegt eine Klimakrise und die lässt nicht nach. Dazu kommt, dass die Erschütterungen der vergangenen Jahre – Finanzkrise, Donald Trump, Brexit – gezeigt haben, dass die Stabilitäten, die wir jahrzehntelang kannten, ins Wanken geraten. Das sieht man ja auch daran, dass sich das Parteiensystem immer mehr wandelt. Es wird nicht mehr ein ganzes Leben lang dieselbe Partei gewählt, die politische Landschaft zersplittert zunehmend. Und wer hätte es für möglich gehalten, dass es in Europa noch mal einen Angriffskrieg geben würde?
…
SZ: Sie lesen vom Teleprompter, oder?
Miosga: Ja. Und zwar, wenn ich das erklären darf, weil jede Sendung eine feste Zeit unbedingt einhalten muss. Alles ist zeitlich genau getaktet. Würde ich frei sprechen, würde ich es nie hinkriegen, da immer auf den Punkt zu sein.
…
SZ: In den vergangenen 15 Jahren hat sich auch die Sprache weiterentwickelt. Gendern Sie?
Miosga: Ich habe überhaupt nichts gegen Gendern, aber ich habe es noch nicht verinnerlicht. Ich formuliere eher „Ärztinnen und Pfleger“. Oder „Polizistinnen und Beamte“, in einem Satz. Das mit dem Binnen-I kommt mir noch nicht natürlicherweise über die Lippen.
…