3898: „Der Zölibat kann problemlos weg!“

Hermann Häring, 84, hat in Tübingen bei Josef Ratzinger und Hans Küng Theologie studiert. Er war Jesuit und 25 Jahre Professor für Theologie in den Niederlanden. Mittlerweile ist seit langem aus dem Jesuitenorden ausgetreten und verheiratet. Evelyn Finger interviewt ihn zu Fragen der Kirchenreform (Zeit 25.5.22):

Zeit: Was denken Sie heute über den Zölibat?

Häring: Der Pflichtzölibat kann problemlos weg! Er ist nur deshalb so ein Zankapfel, weil das Priestertum als heilig gilt und Sexualität als das Gegenteil. Ein primitiver Gedanke! Zumal Frauen von dieser Art Sakralität ausgeschlossen sind.

Wer zölibatär leben will, darf das ja weiterhin tun.

Zeit: Nun hat die evangelische Kirche weibliche Pfarrer und Bischöfe. Trotzdem schrumpft sie.

Häring: Beiede Kirchen müssen ihr Menschenbild, ihr Gottesbild überprüfen. Dennoch wünsche ich mir als Katholik, dass wir aufhören, uns über uns selbst zu belügen. Viele Gemeinden verurteilen ihren Pfarrer keineswegs, wohl wissend, dass er heimlich eine Partnerin oder einen Partner hat. Ich hoffe, dass endlich einmal ein Bischof den Mut hat, zuzugeben, dass auch er nicht als Heiliger lebt.

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