3731: Der soziale Fortschritt verstärkt Geschlechterunterschiede.

Eine Studie der University of Essex in Colchester und der Univerity of Missouri-Columbia bringt etwas an Tageslicht, dass vielen Fortschrittlichen nicht gefällt. Nämlich: In Ländern, in denen es gut um die Geschlechtergerechtigkeit steht, driften die Berufswünsche von weiblichen und männlichen Jugendlichen weit auseinander. Es gibt das „Gender Equality Paradox“.

Dazu wurden Daten von 473260 Jugendlichen im Alter von 16 Jahren in 80 Staaten ausgewertet, die 2018 im Rahmen der Pisa-Studie befragt worden waren. Dabei wurden drei Kategorien unterschieden: 1. Berufe, die mit Dingen zu tun haben (wie etwa im Handwerk), 2. solche, in denen der Kontakt zu anderen Menschen eine zentrale Rolle spielt und 3. MINT-Berufe (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaften, Technik).

In allen Ländern passten die durchschnittlichen Idealvorstellungen zum klischeehaften Rollenverständnis. Junge Frauen interessieren sich besonders für Berufe, in denen sie viel Kontakt mit Menschen haben. Für Berufe, in denen man sich hauptsächlich mit Dingen beschäftigt, interessieren sich besonders männliche Jugendliche. In Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit nicht besonders hoch im Kurs steht, etwa in den arabischen Staaten, sind die Berufswünsche von weiblichen und männlichen Jugendlichen sich am nächsten.

In allen drei Bereichen fand sich eine Korrelation mit einem Index für Geschlechtergerechtigkeit. Je besser ein Land abschnitt, desto eher entsprach der Vergleich der Berufswünsche den

Stereotypen.

Dort sind die Menschen eher wohlhabend, was auch der Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben geschuldet ist. Frei von finanziellen Nöten wählt man eher Berufe, die einem Spaß und Erfüllung bieten. So offenbart sich, dass Frauen und Männer Unterschiede in sich tragen, die sich gerade dann ausprägen, wenn sie von Zwängen befreit werden (Sebastian Herrmann, SZ 28.1.22).

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