Unser ehemaliger Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hatte am 22. 2. in der FAZ die Identitätspolitik der SPD missbilligt und mehr Miteinander gefordert. Die zweifache Präsidentschaftskandidatin der SPD, Gesine Schwan, hatte ihn unterstützt (vgl. hier Nr. 3294) und das Ganze politologisch untermauert. Nun ist Wolfgang Thierse aus dem Parteivorstand kritisiert worden. Von Saskia Esken und Kevin Kühnert. Sie finden Thierses Ausführungen „beschämend“ und setzen auf Dogmatik statt Dialog, auf Ausgrenzung statt Ausgleich. Die klassische Kernwählerschaft der SPD haben sie wohl schon aus dem Auge verloren.
Was die Sache so bitter und aussichtslos macht, ist die Tatsache, dass Wolfgang Thierse zu einer Gruppe gehört, die von den politischen Ideologen ohnehin bereits vollständig abgeschrieben ist, „die alten weißen Männer“. Thierse ist 77. Auch ich gehöre mit 75 zu dieser Gruppe. Wir werden von den Verkündern des modernen Zeitgeists nur noch diskriminiert. Fast reihen sich Esken und Kühnert bei den Toni Hofreiters (Grüne) und Bernd Riexingers (Die Linke) ein und bilden damit eine Riege, die für die Politik der Bundesrepublik ungeeignet ist.
Aber das ist noch nicht alles. Denn der ehemalige Hamburger Bürgermeister und Bundesminister Klaus von Dohnany hat in einem Interview mit Jana Werner (Die Welt, 6.3.21) verlangt, dass Saskia Esken und Kevin Kühnert sich bei Wolfgang Thierse für ihre „Entgleisung“ entschuldigen sollten. Hier wird nun völlig klar, dass die „alten weißen Männer“ in der SPD nur Unheil anrichten. Dohnany ist 92. Der hätte spätestens mit 75 automatisch aus der SPD ausgeschlossen gehört. Toni Hofreiter mit seinen 50 Jahren können wir noch durchgehen lassen, Bernd Riexinger mit seinen 65 gehört schon zu den „alten weißen Männern“. Die SPD liegt zur Zeit bei 16 Prozent, mit ihrer Identitätspolitik schafft sie es noch auf zehn (10) (Joachim Käppner, SZ 6./7.3.21).
Meine Stimme will die SPD ja anscheinend nicht.