3217: US-Demokratie ist nachhaltig beschädigt.

Der Sturm eines blindwütigen Mobs auf das Kapitol ist der Höhepunkt von Donald Trumps Regierungszeit. Er hatte vier Jahre lang dazu angestachelt. Jetzt liegen sogar ein sofortiges Amtsenthebungsverfahren und die strafrechtliche Verfolgung seiner Schandtaten nahe. Aber lohnt sich das noch bis zum 20. Januar? Der Trumpismus beruht auf der Lüge und der Verachtung der Demokratie. Gehasst werden die angebliche Selbstbedienungs-Elite, das Establishment und die Political Correctness. Solch eine trumpistische Partei ist die größte Oppositionspartei im Deutschen Bundestag. Vorsicht also mit dem Fingerzeigen auf die Amis.

Joe Biden tritt ein schweres Erbe an. Seine Aufgabe ist fast unlösbar. Vor allem muss er Würde, Gesprächsbereitschaft, einen zivilisierten Ton und die Erkenntnis vom Wert des Kompromisses zurückbringen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass 74 Millionen Wähler Trump gewählt haben. Die können politisch nicht gebildet sein. Joe Biden muss sich auch um die verwaisten Republikaner kümmern und sie einbinden. Wir brauchen die US-Demokratie. Ohne die können wir selbst nur sehr wenig.

Der Sturm auf das Kapitol war im Gegensatz zum islamistischen Angriff auf die Twin Towers 2001 ein Angriff von innen. Der Feind wohnt also nebenan. Wir müssen wachsam und handlungsfähig bleiben oder werden. Und wir dürfen uns nicht zum Hass und der Hetze hinreißen lassen, die insbesondere in den sozialen Medien vorherrschen. Anstand steht uns gut zu Gesicht. Und solche Spielchen von CDU und FDP in Thüringen, wo ein Hinterbänkler mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, dürfen nie wieder vorkommen (Nicolas Richter, SZ 8.1.21; Stefan Kornelius, SZ 8.1.21; Daniel Brössler, SZ 8.1.21).

Wir haben in Deutschland 2021 ein Super-Wahljahr vor uns.

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