Alfred Bauer war von 1951 bis 1976 Direktor der Berlinale. Er hatte sie selbst begründet. Erfolgreich. Mit großen Verdiensten für die deutsche Kunstszene. Mittlerweile hat ein Gutachten (gestützt auf Akten aus dem Berliner Landesarchiv und Dokumenten aus dem Bundesarchiv) ergeben, dass Alfred Bauer vorher Nazi gewesen war. In einer hochrangigen Position bei der Reichsfilmintendanz, dem bürokratischen Steuerungsorgan der NS-Filmproduktion. Aber, liebe Freunde, das wussten wir Filmfritzen (Teile der deutschen Filmwissenschaft) doch sowieso.
Dr. Tobias Hof, der Autor des 61-seitigen Gutachtens, belegt Bauers zentrale Tätigkeit als Referent der Reichsfilmintendanz, seine Mitgliedschaft in der NSDAP sowie seine widersprüchlichen Aussagen vor den Entnazifizierungsinstanzen. Bauer hat den Einsatz von Zwangs- und Fremdarbeitern in der NS-Filmproduktion mit geleitet. Nach dem Krieg stilisierte er sich, wie viele andere auch, zum Antifaschisten und Opfer des NS-Regimes. Als diese Tatsachen in der „Zeit“ (Nr. 6/20) erstmalig bekannt gemacht wurden, setzte die Berlinale-Leitung umgehend die Verleihung eines nach Alfred Bauer benannten Preises aus.
Anders die Biennale in Venedig. Sie war von dem Industriellen Giuseppe Volpi begründet worden, einem Vertrauten Mussolinis und späterem Finanzminister. Bis heute sind ein Kino und die Darstellerpreise des Festivals nach ihm benannt (Katja Nicodemus, Die Zeit 8.10.20).