2979: Journalistischer Machtkampf

1. Seit die „New York Times“ ihren Kommentator James Bennett und die prägende Kolumnistin Bari Weiss verloren hat, steht fest, dass im Journalismus ein Machtkampf tobt, der noch wesentlich schärfer werden wird.

2. Grund für den Verlust war der Gastkommentar des Republikaners Tom Cotton, der gegen Randalierer den Einsatz von Militär gefordert hatte.

3. Der Kampf wird ausgetragen zwischen identitätspolitisch Aufgeklärten und Liberalen (vorzugsweise alte weiße Männer, zu denen ich auch gehöre).

4. Die Identitätspolitiker wollen die „richtigen“ Ansichten zu Wort kommen lassen für bislang unterdrückte Gruppen, sie wollen keine Gefühle verletzen und Minderheiten fördern.

5. Die alten Liberalen wollen Aufklärung und einen freien Austausch zwischen allen.

6. Die Identitätspolitiker sind eher nach 1980 geboren, die alten Liberalen davor.

7. In Deutschland hat sich der Streit an dem (nach der Meinung von W.S. völlig unmöglichen) Kommentar von Hengameh Yaghobifarah (in der „taz“) entzündet, in dem sie Polizisten auf den Müll wünschte.

8. Nach Meinung des stellvertretenden „Welt“-Chefredakteurs Robin Alexander steht uns in Deutschland die harte Auseinandersetzung erst noch bevor.

9. Die Massenmedien selbst sind permanent zum Gegenstand massiver Kritik („Lügenpresse“, „Mainstream-Medien“) geworden.

10. Sie werden kritisiert wie die Gesellschaft insgesamt.

11. Die „sozialen Medien“ bilden inzwischen so etwas wie eine digitale Gegenwelt.

12. Die Mainstream-Medien sind nur noch eine Quelle unter vielen.

13. Immer häufiger stehen die Namen von Journalistinnen und Journalisten auf rechtsextremen Todeslisten.

14. Journalisten überschätzen den Einfluss von „sozialen Medien“ eher, weil sie selbst dort häufiger unterwegs sind als andere.

15. Die Medienskepsis ist nicht unbedingt größer als früher, aber sichtbarer. Damit verunsichert sie.

16. Journalisten und Politiker sind in hohem Maße aufeinander angewiesen. Dadurch beeinflussen sie die gesellschaftlichen Machtverhältnisse.

17. Im Journalismus fehlen Vertreter von Einwanderern.

18. Gatekeeping war einmal das Vorrecht der Massenmedien. Es ist zum Verdachtsgegenstand diskriminierender Verhältnisse geworden (Meredith Haaf, SZ 7.8.20).

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