2971: Tilman Jens ist gestorben.

Lebenslänglich hatte Tilman Jens, der jetzt im Alter von 65 Jahren gestorben ist, unter seinem Vater Walter Jens zu leiden. Dem Professor für Rhetorik, Kolumnisten und Festredner. Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des DFB hielt der die Festrede.

Tilman Jens‘ erste journalistische Heldentat war 1984 sein Einbruch in das Haus des gerade gestorbenen Schriftstellers Uwe Johnson in Sheerness on Sea. Jens konnte exklusiv aus intimen Notizen über eine gescheiterte Ehe berichten. Der „Stern“ hätte das gerne gedruckt. Stattdessen entließ er den Reporter. Der arbeitete fortan für’s Fernsehen.

1994 lieferte er im „Kulturweltspiegel“ einen Beitrag, in dem Marcel Reich-Ranicki beschuldigt wurde, er habe während seiner Tätigkeit für den polnischen Geheimdienst anderen Kommunisten geschadet (ohne zu berücksichtigen, dass das bei Kommunisten ja so üblich ist).

2008 machten Inge Jens, die philologisch sehr kundige Herausgeberin der Tagebücher Thomas Manns, und ihr Sohn Tilman bekannt, dass Walter Jens an Demenz erkrankt war. Das lief nun auch mit Aplomb durch die Medien. Die Geschichte leerer Gesten und voller Windeln.

Schließlich versuchte sich Tilman Jens noch an Helmut Kohls mit Heribert Schwan geführten Gesprächen. Darin sind einige von Kohls üblen Schmähreden über Parteifreundinnen und Parteifreunde enthalten. Helmut Kohl wollte sie dann doch nicht gedruckt sehen. Nach Kohls Tod wurden die Autoren und der Verlag zu einer Entschädigungszahlung von einer Million Euro verurteilt (Willi Winkler, SZ 3.8.20).

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