Nach einer von Kulturtaatsministerin Monika Grütters vor zwei Jahren beim Wissenschaftsrat in Auftrag gegebenen Evaluation soll die „Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ reformiert werden. Heute umfasst die SPK 15 Museumssammlungen, die Staatsbibliothek, das Ibero-Amerikanische Institut, das Institut für Musikforschung und das Preußische Staatsarchiv. Das Haus mit seinen 2.000 Mitarbeitern soll in vier selbständige Einheiten verwandelt werden. Der SPK-Präsident Hermann Parzinger unterstützt die Reformvorschläge. Die Museen arbeiten bisher unterhalb ihres Potentials, die Sammlungen können sich auch im Vergleich mit London und Paris sehen lassen, erreichen aber zu wenig Publikum.
Preußen wurde 1947 vom Alliierten Kontrollrat aufgelöst, weil in ihm ein Wegbereiter des Nationalsozialismus gesehen wurde. Völlig zu Recht. Für Hitler war Preußen allerdings eher ein Hindernis. Die Bundesrepublik und die Bundesländer übernahmen die Verantwortung vor der Geschichte. Preußen gehört zur deutschen Vergangenheit. So oder so. Die SPK organisierte so etwas wie ein „kulturelles Gedächtnis“. Das wurde insbesondere nach der Wiedervereinigung 1990 eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Die Mitte Berlins wurde neu erfunden. 1980 hatte es in der Bundesrepublik und in der DDR bereits eine Preußen-Renaissance gegeben. Dafür standen eine Preußen-Ausstellung und die Aufstellung des Reiterstandbilds von Friedrich dem Großen Unter den Linden.
„Das Preußen nicht des Generalstabs, sondern das der Reformer Stein und Hardenberg und der Weltgelehrten Alexander und Wilhelm von Humboldt wurde zur Bezugsgröße der neu geschaffenen Republik, für die Museumsinsel genauso wie für den Reichstag.“ (Ijoma Mangold, Die Zeit 16.7.20)
Insofern ist eine Reform der SPK möglich, ohne Preußen zu verleugnen. Es gehört zur deutschen Geschichte. Wer Preußen exorziert, kann sich mit der Vergangenheit nicht mehr kritisch auseinandersetzen. „Diesen Gedächtnisverlust können wir nicht wollen.“