Wenn wir die personelle Zusammensetzung der Redaktionen bei der Presse und beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland betrachten, stoßen wir auf ein klassisches Mittelschichten-Phänomen. Menschen mit gefüllten Bücherregalen, mit einem finanziellen Polster in der Einstiegsphase. Jeder fünfte (5.) Einwohner Deutschlands hat einen Migrationshintergrund, aber nur jeder 50. Journalist. Auch mit der Polizeigewalt haben wir Probleme, Das zeigt der Fall Oury Jalloh. Der Mann aus Sierra Leone verbrannte vor fünfzehn Jahren an Händen und Füßen gefesselt auf einer Polizeiwache in Dessau-Roßlau (Ostdeutschland).
Von deutschen Journalisten werden Menschen mit Migrationshintergrund gerne in die Betroffenenecke gestellt, statt in die Expertenecke. Dafür gelten weiße Gesprächspartner als unvoreigenommene Beobachter. Dabei wird objektive, seriöse Berichterstattung über Rassismus nur möglich, wenn die Stimmen der sichtbaren Minderheit gehört werden. Im Journalismus auf Menschen mit Migrationshintergrund zu verzichten, ist ignorant. Wir brauchen die Vielfalt in der Berichterstattung. Nur so ist Ausdifferenzierung möglich (Dunja Ramadan, SZ 6./7.6.20).
Im übrigen wird hier deutlich, dass diese Kritik am deutschen Journalismus gerade das
Gegenteil
von dem bedeutet, was die Verfechter der These von
„Lügenpresse“
meinen.