2833: Vorsicht mit den Zahlen der Heinsberg-Studie

Für die Heinsberg-Studie (Kreis Heinsberg am Beispiel des Dorfes Gangelt) waren Anfang April 2020 919 Personen darauf untersucht worden, ob sie sich mit Sars-Cov-2 angesteckt hatten. Den Ergebnissen zufolge galt dies für 15,5 Prozent der Menschen. Das sind fünf mal so viel wie von den Gesundheitsämtern erfasst werden. Das Todesrisiko bezifferten die Forscher um den Epidemiologen Prof. Dr. Hendrik Streeck auf 0,37 Prozent. Der Anteil der Infizierten sei aber nicht auf Deutschland übertragbar (weil der Kreis Heinsberg eventuell nicht repräsentativ für ganz Deutschland sei).

Gleichwohl wagte Streeck erneut eine Hochrechnung: Wenn in Gangelt o,37 Prozent der Infizierten gestorben sind, dann könnte das angesichts der 6.700 Toten in Deutschland bedeuten, dass hierzulande bereits 1,8 Millionen Menschen infiziert gewesen sind. Also zehnmal mehr als die Statistik des Robert-Koch-Instituts erfasst hat. Der Braunschweiger Epidemiologe Gérard Krause sieht diese Schlussfolgerung skeptisch. „Ich bin da eher zurückhaltend.“ Man sollte vorsichtig sein. Wenn auch nur einige Menschen mehr als sieben gestorben seien, wäre die Sterblichkeit schon erheblich höher. „Man kann zur Letalität nur sagen: Wir wissen es einfach nicht.“ (Bern, SZ 5.5.20)

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