Seit der Brexit-Ankündigung fühlen sich viele nicht-britische Wissenschaftler in Großbritannien nicht mehr willkommen. Ein Brexit ohne Vertrag, wie jetzt von Boris Johnson angekündigt, hätte gravierende negative Folgen für die Wissenschaft. Von den milliardenschweren Fördertöpfen der EU wären Wissenschaftler aus Großbritannien dann abgeschnitten. Da würden auch komplizierte Visa-Verfahren gar nicht helfen. Dabei haben britische Wissenschaften und britische Wissenschaftler und solche, die als Ausländer dort forschen, in der Regel einen sehr guten Ruf. Und die meisten Gemeinschaftsprojekte finden mit EU-Partnern statt. Der Nutzen, an europäischen Programmen teilzuhaben, geht weit über das Geld hinaus. Die europäischen Programme verkörpern den Geist des gemeinsamen Forschens und Publizierens.
Exakte Zahlen über die Rückkehr aus Großbritannien von Wissenschaftlern aus EU-Ländern gibt es bisher nicht. Erste Adresse für Wissenschaftler, die nach Deutschland wechseln wollen, ist die Humboldt-Stiftung in Bonn. Dort wurden bisher ein Fünftel mehr Bewerbungen registriert. Auffällig ist der Anstieg von Bewerbungen von nicht-britischen Europäern. Darin sehen einige Wissenschafts-Manager auch die Chance, Spitzenforscher nach Deutschland zu holen. „Bei den britischen Forschern spürt man Wut. Sie sind wütend auf eine verlogene Politik. Aber auch frustriert, dass sie die Lügen der Brexit-Kampagne nicht entlarven konnten. man fühlt sich machtlos“, sagt der Humboldt-Generalsekretär (Roland Preuss, SZ 13.8.19).