2429: EKD kämpft gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche.

Vom 1. Juli 2019 an gibt es bei der EKD die „Zentrale Anlaufstelle. help“ für Missbrauchsopfer in der evangelischen Kirche. Erreichbar ist sie kostenlos über Telefon: 0800-5040 112, via Mail: zentrale@anlaufstelle.help und über das Internet: www.anlaufstelle.help. Dort stehen „geschulte Fachkräfte für Beratungsgespräche im geschützten Rahmen“ zur Verfügung. Die EKD erklärte, sie habe dafür einen Vertrag mit der Fachberatungsstelle „Pfiffigunde Heilbronn“ geschlossen. In der evangelischen Kirche hätten Opfer sexuellen Missbrauchs immer wieder eindrücklich geschildert, dass sie es bisher angesichts der dezentralen Strukturen der Kirche sehr schwer gehabt hätten, den richtigen Ansprechpartner zu finden.

Die EKD spricht von 600 bekannten Missbrauchsfällen seit 1945. In der katholischen Kirche sind innerhalb der 27 Diözesen 1.679 Beschuldigte und fast 3.700 Betroffene bekannt. Lange Zeit fuhr die evangelische Kirche recht bequem damit, auf den Missbrauch bei den Katholiken zu verweisen (Zölibat usw.). Damit soll jetzt Schluss sein, wie die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs erklärte. Mittlerweile seien gerade die strukturellen Ursachen der Gewalt sichtbar geworden. Wie in der katholischen Kirche auch sei es Geistlichen immer wieder gelungen, sich auch auf Grund ihrer Amtsautorität unangreifbar zu machen. In der evangelischen Kirche spielte die weitgehende Enttabuisisierung der Sexualität beim Missbrauch eine Rolle. Charismatische Kirchenmänner hätten kritische Fragen allzu oft als spießig abgetan. Für die Aufklärung sexuellen Missbrauchs hat die EKD für 2019 eine Million Euro bereitgestellt.

Eine öffentliche Ausschreibung wird das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter der Projektleitung des Trauma- und Stressforschers Ingo Schäfer ausarbeiten. Schäfer betonte, dass den Betroffenen „eine bedeutsame Rolle im Rahmen der Aufarbeitung zukommen soll“. Erste Ergebnisse soll es Ende 2021 geben. Um zu repräsentativen Ergebnissen zu kommen, müssten vermutlich mehr als 100.000 Menschen befragt werden. Bischöfin Kirsten Fehrs sagte, es werde überlegt, ob man nicht mit der Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zusammenarbeiten solle. Hier sei zwischen 2010 und 2018 einiges verschlafen worden (Matthias Drobinski, SZ 12.6.19).

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