Er ist nicht der Typ „Schwiegermamas Liebling“ wie Robert Habeck. Kein Volkstribun und keine Rampensau. Sondern ein Ausbund an Zuverlässigkeit: Sven Giegold, 49, der seit zehn Jahren für die Grünen im Europaparlament sitzt. Er kam von Attac. Sie können ihn jederzeit nach der Beitragsbemessungsgrenze für die Körperschaftssteuer in der EU fragen. Gezielte Gefühlsäußerungen sind bei ihm selten. Der soziale Aufsteiger verknüpft in Brüssel in seiner Politik glaubhaft Ökologie mit dem Sozialen. Er wirbt für eine CO 2-Steuer, für Umverteilung in der Gesellschaft.
Giegold ist stark engagiert in der Antilobbyarbeit, bei der Kontrolle der FInanzmärkte und für die Bürgerrechte. Er hat sich für den Untersuchungsausschuss gegen den EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claud Juncker eingesetzt wegen „Luxleaks“. Der Eröffnung von Steuerhinterziehung durch spezielle Gesetze. Sven Giegold verbindet beharrlich außerparlamentarische Arbeit mit seiner Tätigkeit im Parlament. Er wirkt ein bisschen steif, aber immer sachorientiert. Politik ist für ihn ein „liebloses“, aber notwendiges Geschäft.
Giegold kommt nicht wie viele andere Grüne vom Marxismus oder von der kritischen Theorie (Horkheimer, Adorno), sondern von dem US-Philosophen John Rawls und seiner „Theorie der Gerechtigkeit“. Seit er in Brüssel viel verdient, hat er festgestellt, dass Geld ihm nicht viel bedeutet. Er ist sparsam geblieben. Er sitzt im Präsidium des Evangelischen Kirchentags 2019. Bei Attac musste er sich mit Feministinnen und Marxisten einigen, in Brüssel mit Christdemokraten und Liberalen. Das kriegt er hin. Unauffällig, aber verlässlich (Stefan Reinecke, taz 8.5.19).
Sehr gut so!