Deutsche Kommunisten waren 1933 in Deutschland aufs Äußerste gefährdet. Unter den Nazis drohte ihnen Ermordung. Nur 8.000 von ihnen wurden von der Sowjetunion unter Stalin (erster Fünf-Jahres-Plan 1929) aufgenommen. Dort wiederum kamen mehr deutsche Kommunisten ums Leben als unter Hitler. Nur 1.400 von ihnen kamen nach 1945 nach Deutschland zurück („Gruppe Ulbricht“ et alii). Aber sie bestimmten die Politik der KPD, ab 1946 der SED. Und sie waren geprägt von ihren Erfahrungen des Stalinismus. Dieser war nicht nur eine Herrschaftsform des Personenkults, sondern ein System der Willkür, der Denunziation und des Terrors. Es war ein System des Massenmords („Archipel Gulag“). Seine Logik war die des Polizei- und Terrorstaats. Es gab eine permanente Säuberungspraxis und die Vernichtung parteiinterner Konkurrenten Stalins in Schauprozessen („Tschistka“ 1935-1938). Das prägte gerade die deutschen Kommunisten.
Überleben unter Stalin hieß, korrumpiert zu sein. Keiner von Stalins Getreuen war unschuldig geblieben, niemand hatte kein Blut an den Händen. Das bestimmte die kommunistische Politik nach 1945 gerade in der DDR. Die Methode, mit diesen Erfahrungen fertig zu werden, hieß: Schweigen. Auch nach der Auflösung der Komintern 1943. Kommunisten fühlten sich als Befehlsempfänger Moskaus. Die Rituale von Unterwerfung, Kontrolle und – vor allem – Kritik und Selbstkritik bestimmten die Parteipraxis. Deutsche Emigranten in den Westen (insbesondere Großbritannien, USA und Mexiko) hatten nach 1945 in Deutschland kaum eine Chance, weil sie nicht so gut unter Kontrolle zu halten waren wie die Emigranten in die Sowjetunion. Und das endete noch nicht mit dem Tode Stalins am 5. März 1953.
Dies alles präsentiert auf dem neuesten Stand das Buch von
Andreas Petersen: Die Moskauer. Wie das Stalintrauma die DDR prägte. Frankfurt am Main (Fischer) 2019, 368 S., 24 Euro.
Petersen bezieht sich nicht zuletzt auf die Experten, von denen auch wir selbst vorher schon am meisten gelernt haben:
Ruth Fischer (1895-1961), Margarete Buber-Neumann (1901-1989), Wolfgang Leonhard (1925-2014), Carola Stern (1925-2006) und, nicht zuletzt, Hermann Weber (1928-2014).
Zweifellos mussten sie unter Beweis stellen, dass sie wirklich die Seiten gewechselt hatten. Aber weil das ja wirklich der Fall war, sind sie die für dieses Thema besten Experten (Ilko-Sascha Kowalczuk, SZ 15.4.19).