2370: Zieht der Dekonstruktivismus Lügen nach sich ?

Wie Harald Staun belegt (FAS 5.5.19), werden seit der Wahl Donald Trumps immer häufiger die Denker der Postmoderne, insbesondere die Dekonstruktivisten (Gilles Deleuze, Michel Foucault, Jean Buadrillard, Jacques Derrida) für die Lügenpolitik im postfaktischen Zeitalter mitverantwortlich gemacht. Das erscheint auf den ersten Blick plausibel angesichts der Fundamentalkritik dieser Philosophen an den rationalistischen Konzepten von

Wahrheit und Objektivität.

Sie bevorzugen Ambiguität und Ironie und dekonstruieren die Legitimität politischer Herrschaft.

Die Literaturkritikerin der „New York Times“, Michiko Kakutani, betont dies in ihrem neuen, gerade auf Deutsch erschienenen, Buch

„Der Tod der Wahrheit“ (Klett Cotta), 200 Seiten, 20 Euro.

„Aber einige niveaulose Entsprechungen ihrer Denkweise sind in die volkstümliche Kultur eingesickert und wurden von den Anhängern des Präsidenten vereinnahmt, die mit solchen relativistischen Argumenten seine Lügen entschuldigen wollen, aber auch von Rechten, die die Evolution in Frage stellen, den Klimawandel leugnen oder alternative Fakten vertreten.“

Auch die Cheftheoretikerin der „Identitären“, Caroline Sommerfeld, betont, dass ohne die riesige skeptische Bresche, die uns die Postmoderne geschlagen habe, der Zweifel an der linken Utopie, an der Wahrheitsfähigkeit der Medien und am Universalismus der Menschenrechte undenkbar wäre. Oder hat die Postmoderne deren Zerfall nur sehr genau diagnostiziert?

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