Eigentlich wissen wir ziemlich genau Bescheid darüber, dass Gustav Noske (1868-1946) (SPD), Gouverneur von Kiel im November 1918, Oberbefehlshaber in den Marken im Januar 1919, Reichswehrminister von Februar 1919 bis März 1920, danach Oberpräsident von Hannover, die politische Verantwortung trug für die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts am 15. Januar 1919 in Berlin (vor 100 Jahren). Spätestens seit
Klaus Gietinger: Eine Leiche im Landwehrkanal. Die Ermordung der Rosa L. Berlin (Verlag 1900) 1995, 190 S.
Trotzdem schreibt Uwe Soukup, Gietingers Verleger von 1995, am 6.1.2019 einen Artikel („Noske, der wird schießen“) in der FAS, der genau das bestätigt und untermauert. Soukup nennt Klaus Gietinger, der bei uns in Göttingen studiert hat, eine „One-Man-Band bei der Erforschung Gustav Noskes“. Inzwischen leugnet auch die SPD unter Andrea Nahles nicht mehr die Verantwortung Noskes. „In der historischen Nachschau betrachtet, hat die Politik Gustav Noskes rechtsextremen Kräften Auftrieb gegeben und die Arbeiterbewegung geschwächt.“ Gustav Noske genoss das Vertrauen Friedrich Eberts, des SPD-Vorsitzenden, und arbeitete sehr eng mit den Freikorps zusammen. Als Major Waldemar Pabst, der de facto der Kommandeur der Garde-Kavallerie-Schützen-Division war, bei Noske anrief und diesem mitteilte, dass die Genehmigung des Generals von Lüttwitz zur Erschießung der aufgegriffenen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nicht zu bekommen sei, sagte Noske nur, dass Pabst dann selber wissen müsse, „was zu tun sei“.
Ein SPD-Sprecher 2018: „So hat die Parteivorsitzende die Rolle Friedrich Eberts gewürdigt, Ordnung und Recht in der jungen Demokratie durchzusetzen und weiteres Blutvergießen zu vermeiden.“
Ein zusätzliches Licht auf die Ereignisse von Anfang 1919 wirft es, dass es nach 1945 nicht Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht waren, die den Kurs der Kommunisten (SED) bestimmten, sondern Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck.