Durch die Aufstellung von drei Kandidaten für den Parteivorsitz ist die CDU in Bewegung geraten. Es wird endlich diskutiert. Auf den acht Regionalkonferenzen sogar mit der Basis. Das sollte die CDU beibehalten. Es tut ihr nämlich gut. Was dabei auch herauskommen kann, ist, dass ein Kandidat seine Schwächen offenbart. Das ist für das Wahlvolk ebenfalls nicht schlecht, so kann es besser unterscheiden.
Friedrich Merz hat sich eine Blöße gegeben. Beim Asylrecht. Das stellte er in Frage und meinte, das müsse sein, wenn eine einheitliche EU-Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik gewollt werde. Damit hat er den entschiedenen Protest von drei journalistischen Experten auf den Plan gerufen: Wolfgang Janisch in der SZ vom 23. November, Thomas Gutschker in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25. November und Heribert Prantl in der SZ vom 23. November.
Janisch zeigt, dass das deutsche Asylrecht einer europäischen Lösung nicht im Wege steht. Es ist weltweit nicht einzigartig und es bietet auch nicht mehr als die europäischen Regeln. Prantl, der bisweilen zur Sentimentaltät neigt, spricht davon, dass mit Merz‘ Forderung die Mahnung der Mütter und Väter des Grundgesetzes verraten und die Lehren aus der Nazi-Zeit gestrichen wären. Und Gutschker schreibt: „Merz hat sich blamiert. Und er zeigte seiner Partei seine Achillesferse. Es ist seine lange Abwesenheit von der Politik, er ist einfach nicht mehr im Film. Es mangelt ihm außerdem an Gespür für Fettnäpfchen und Empfindlichkeiten. Würde ein Vorsitzender Merz die Union in die nächste zerstörerische Debatte reiten?“
Annegret Kramp-Karrenbauer, die Rivalin von Merz, sagt im Interview mit Livia Gerster und Thomas Gutschker (FAS 25.11.18) zum Thema:
„Alles, was wir diskutieren, muss wirken. Wir haben bis Ende Oktober dieses Jahres rund 2.400 über das Grundgesetz anerkannte Asylbewerber und rund 61.000, die über die Genfer Flüchtlingskonvention oder europäisches Recht hier bleiben. Und auch bei einer Änderung des Grundgesetzes bleiben würden. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was wirklich relevant ist.“
Die CDU hat mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine kluge und als Ministerin und Ministerpräsidentin sehr erfahrene Kandidatin, die sich als Bundeskanzlerin eignet. Die Partei sollte sie deshalb auch zur Parteivorsitzenden wählen. Da schadet es auch nichts, dass sie die Ehe für alle nicht mag.