Unter den Ressorts der Presse (Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Sport, Lokales) wird das Feuilleton gerne unterschätzt. Das war in Göttingen nicht so. Wilmont Haacke hatte sich sogar über das Feuilleton habilitiert. Sein Handbuch des Feuilletons erschien in drei Bänden (Emsdetten 1951 bis 1953), die erste Auflage aus den Jahren 1943 und 1944 verschweigen wir dabei nicht. Erst danach wurde im vollen Umfang herausgearbeitet, wie politisch das Feuilleton ist. Es setzt hier entscheidende Akzente in Bezug auf Ideologien, Theorien, Ansätze, Gesellschaftsentwürfe.
Das wird besonders deutlich daran, dass Martin Heidegger, der Philosoph, der den „Führer führen wollte“ (1933), das Feuilleton verabscheute. Er schrieb:
„Aber das Schlimmste an der Zeitung sind nicht die Mord- und Skandalgeschichten, sondern das Feuilleton, weil es sich ausgibt, als wahre es den Geist. … Es ist selber der Mord des Denkens und der Skandal des Geistes.“ Das Zitat stammt aus
Peter Trawny: Heidegger-Fragmente. Eine philosophische Biographie. Frankfurt am Main (S. Fischer) 2018, 320 Seiten, 25 Euro.
(Thomas Meyer, SZ 26.10.18)